Zu Fuß von der Ostalb nach Rom

1600 Kilometer Wegstrecke von Bartholomä über Rom bis zum Padre Pio bei Benevento, 65 Tage voller Erlebnisse. Klar, dass der Bartholomäer Pilger  Wolfgang Boffa jede Menge zu erzählen hat. Und so lud SaRose, der Schulverein am Rosenstein-Gymnasium, Schüler, Eltern und die breite Öffentlichkeit zu einem beeindruckenden Lichtbildervortrag in die Aula des Rosenstein-Gymnasiums ein.

VORTRAG

Den begeisterten Zuschauern erzählte Wolfgang Boffa von seiner Reise.

Von Lisa Becke

Die Aula füllte sich rasch und an die 150 Interessierten aus Heubach und Umgebung  strömten herbei. Der Vorsitzende des Schulvereins, Dr. Helmut Rössler, erklärte zu Beginn, die Vorträge von Wolfgang Boffa, welche das Programm des Schulvereins schon mehrere Male bereicherten, gehörten zu den Veranstaltungen bei welchen er am Abend zuvor ohne die Angst vor zu wenigen Besuchern ruhig schlafen könne. Mit diesen Worten übergab er an den Referenten, welcher das Publikum, nachdem sich dieses mit Getränken eingedeckt hatte, auf die spannende aber anstrengende Reise über die Alpen nach Rom mitnahm.

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Er brach Ende Juni des Jahres 2011 zu Fuß von seinem Wohnort Bartholomä auf und wanderte über Ulm nach Obersdorf, überquerte auf dem Fernwanderweg E5 die Alpen, lief von Verona bis Parma über die Po-Ebene und stieß dort auf den uralten Pilgerweg „Via Francigena“, welchem er durch die Hügellandschaft der Toskana und durch Lazio bis nach Rom folgte. Jedoch war hier seine Reise noch nicht ganz zu Ende, denn zum Ziel hatte sich der Halbitaliener den Geburtsort des Heiligen Padre Pio in der Nähe von Neapel gesetzt. Er wanderte nicht die ganze Zeit über allein, sondern etappenweise begleiteten ihn Bekannte aus Bartholomä: Ralf Lieb stieg in Obersdorf mit ein und Bettina Ritz stieß Anfang September in Parma dazu. Aber auch so wäre der weltoffene Pilger wohl nicht viel allein gewesen, denn er machte auf seiner Reise viele neue Bekanntschaften. Unter anderem traf er in den Alpen einen blauen Plüschelefanten, welcher dank des leidenschaftlichen Pilgers noch ganz schön in der Weltgeschichte herum kam. Der kleine Elefant besichtigte die Hauptstadt Italiens und wurde unter anderem auf einigen Erinnerungsfotos verewigt. Diese brachten die Besucher in Heubach mehrmals zum Lachen und alle waren sichtlich fasziniert von den Abenteuern des 48 -jährigen, welcher neben Übernachtungen in Berghütten und in Notunterkünften die Nacht des Öfteren unter freiem Himmel verbrachte. Wolfgang Boffa wanderte 30 – 35 Kilometer pro Tag in dem seit langem heißesten Sommer Italiens, doch zwölf Stunden am Tag in der sengenden Hitze der Toskana ohne auch nur einen Winkel Schatten fand dann selbst der Halbitaliener „arg trocken“.

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Und so waren die Pilger, während es in den Alpen jede Menge Überwindung kostete, in den um die 12°C kalten Seen zu baden, in der stockenden Hitze Italiens um jede Abkühlungsmöglichkeit froh. Im anderen Extrem, an einem der wenigen Regentage in den Alpen, erfand der Pilger aus der Not heraus das „Goretex für Arme“, eine über den Fuß gestülpte Plastiktüte, welche die Socken und die Füße einige Stunden vor Nässe schützt. Doch hatten seine Mitpilger und er auch noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Den Folgen von zu wenig Schlaf und dem schweren italienischen Wein, Blasen an den Füßen, Aufschürfungen  durch den 13 Kilogramm oder schwereren Rucksack, einen Sonnenstich und den eintönigen „Leberkäs“ auf den Berghütten. Blasen an den Füßen hatte Wolfgang Boffa, der auf seiner Wanderung an die zehn Kilo abnahm, glücklicherweise nicht, doch ist er wohl der einzige Pilger, der während seiner Wanderung Probleme mit den Händen bekam. Gegen Ende seiner Reise, als er sich in Italien den Tag über von dem, was am Wegesrand wuchs, ernährte, also meistens von Pfirsichen, Feigen, Trauben, Walnüssen und Haselnüssen, bekam er vom ständigen Nussknacken Krämpfe in den Händen. 

Nach 55 Tagen in Rom angelangt, landete der dunkellockige Bartholomäer als erstes mit dem Auftrag „Haare kurz und Bart weg“ beim Friseur, was die Einlösung einer verlorenen Wette gegen eine Mitpilgerin war. Davon hatte der Vortragende sogar eine Videoaufnahme dabei, was in Heubach beim Publikum sehr zur allgemeinen Belustigung beitrug, da der etwas ältere Friseur keinen Rasierapparat besaß und Haare und Bart mit einer Schere stutzte, was in einem eineinhalbstündigen Friseurbesuch resultierte. Danach stand Kultur auf dem Programm, die Pilger besichtigten unter anderem den Petersdom, die spanische Treppe und das Kolosseum in Rom. Zuvor hatten sie in Verona schon den bekannten Balkon von Romeo und Julia gesehen und hatten dort auch in der Arena eine Oper besucht.  

Nach dem Aufenthalt in Rom war die Reise für seine Mitpilgerin zu Ende und Wolfgang Boffa wanderte allein noch weitere 300 Kilometer bis zum Padre Pio bei Benevento, dem Ort, woher auch sein Vater stammt. Von hier aus trat nun auch er die Rückreise an, seine Schuhe wiesen starke Verschleißerscheinungen auf, und er nutzte jetzt Mitfahrgelegenheiten, die er auf dem Hinweg bitter verschmäht hatte. Nachdem er die letzten Kilometer von der Autobahn nach Bartholomä noch gelaufen war, kam er Mitte Oktober um einige Erfahrungen reifer und mit dem kleinen blauen Elefanten im Gepäck wieder zu Hause an. 

Doch Wolfgang Boffa will nicht lange stillsitzen, im Juli wird er zum wiederholten Mal mit einer Gruppe von Schülern des Rosenstein-Gymnasiums, welcher er auch die Einnahmen seines Vortrages spendete, einige Tagesetappen auf dem Jakobsweg wandern. Und auch in Italien will er seine Pilgerreise fortsetzen, denn von Benevento bis an die Stiefelspitze Italiens ist es „scho no a Stück“.

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