SaRose-Reise nach Island

Nach über zehn Jahren bot SaRose, der Schulverein am Rosenstein-Gymnasium, erstmals für seine Mitglieder und für Interessierte eine Exkursion an: Island – eine außergewöhnliches Ziel, das zudem auf ungewöhnliche Art und Weise angesteuert wurde. In Hirtshals (Dänemark) ging es nach der Busanfahrt auf das Fährschiff MS Norröna der Smyril-Line. Nach Zwischenaufenthalt auf den Färöer-Inseln erreichte man Seydisfjördur auf Island. Eine neuntägige Rundfahrt im eigenen Bus zu den Naturwundern Islands schloss sich an, bevor es auf derselben Route wieder zurück nach Heubach ging.

SAROSE-REISE

Island, das Land der atemberaubenden Kontraste: Auf dieser Insel erwarteten uns Geysire, heiße Quellen, Vulkane, tosenden Wasserfälle, Fjorde und beeindruckende Lavalandschaften.

SaRose, der Schulverein am Rosenstein-Gymnasium bot erstmalig eine Exkursion an und knapp vierzig Teilnehmer nahmen das Angebot an, auf einer kombinierten Bus- und Kreuzfahrt in 16 Tagen Färöer und Island zu bereisen. Dank des herrlichen Frühsommerwetters konnte man, einen Katzensprung vom Polarkreis entfernt, täglich 22 Stunden bei Sonne und Tageslicht herrliche Naturschauspiele an Küsten und Gletschern, in Fjorden und Vulkanen bestaunen.

Bereits die Hinfahrt auf der Norröna der Smyril-Line, der einzigen Kreuzfahrt-Fähre, die Dänemark von Hirtshals aus mit den Färöer und in den Sommermonaten mit Island verbindet, brachte ein unerwartetes Erlebnis. Aufgrund der ruhigen See steuerte der Kapitän mitten und sehr nah durch die Shetland-Inseln, so dass man einen guten Eindruck von den hügeligen grünen Inseln im Nordatlantik bekam. Der Tagesaufenthalt auf Färöer, den man zu einer 200 km langen Bus-Rundfahrt nutzte, führte auf die zwei Hauptinseln der Inselgruppe, die zwar zu Dänemark gehört, nicht aber zur EU. 

Die Verbindungsbrücke, passend „Brücke über den Atlantik“ getauft, ermöglichte eine Fahrt zu dem Postkarten-Dorf Gjörv, einem Schmuckstück mit kleinem Naturhafen an imposanter Steilküste. Färöer bot mit seinen Basaltbergrücken und seinen grünen Weiden, auf denen 70.000 Schafe grasen – bei 40.000 Einwohnern – einen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten zehn Tagen die Gruppe in Island erwartete, vor allem aufgrund der Schiffsfahrt durch die atemberaubend engen Sunde und Fjorde des aus 18 Inseln bestehenden Archipels.

Am Dienstagmorgen, man war am Freitagnachmittag zu Pfingstferienbeginn in Heubach gestartet, erreichte man immer noch bei strahlend blauem Himmel in Seyredfjordur die Ostküste Islands. Die 67 Highlights, die der isländische Führer Gylfi Gudmundsson für die neuntägige Rundfahrt ankündigte, konnten alle bis auf eine aufgrund der ungewöhnlich stabilen Hochdruckwetterlage bei herrlicher Beleuchtung angeschaut und photographiert werden. Manch einer hat anderthalbtausend Photos geschossen und wird wie alle anderen Teilnehmer noch Wochen brauchen, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Auf 2600 km ging es einmal rund um Island. Zusätzliche Abstecher führten von der Ringstraße N 1 ins Hinter- und Hochland, das unwirtlich bereits bei 200m Meereshöhe beginnt. Ein Tagestrip galt der Umrundung der im Westen ausliegenden Halbinsel Snaefellsnes. Mit Abstechern auf Buckelpisten, auf denen der Bus mit weniger als 20 Stundenkilometern fuhr, erkundete man, was die Insel aus Feuer, Wasser und Eis, die gerade mal 300 km von Grönland entfernt liegt, so einmalig macht. Man berührte gleichermaßen den südlichsten, den westlichsten, den östlichsten und fast auch den nördlichsten Punkt der 100.000 km2 großen zwischen dem 63. und dem 66. Breitengrad gelegenen Insel.

Bildergalerie

Wir haben auch eine Bildergalerie zur SaRose-Reise nach Island mit vielen weiteren Fotos veröffentlicht.

Faszinierten zunächst die Ostfjorde, kam bald mit dem 8.300 km2 großen Vatnajökull der zweitgrößte Gletscher der Welt in den Blick. Auf einem Boot durch die „gekalbten“ Eisberge zu fahren, auf denen Seehunde sich in der Sonne räkeln, dabei zu sehen, wie die kilometerbreite Gletscherzungen des Breidamerkurjökull in die 290 m tiefe Gletscherlagune des Jökulsárlon mündet und das Eis kalbt, und gleichzeitig 700 Jahre altes Gletschereis zu lutschen, während man zum mit 2140 m hohen höchsten Berg Islands aufblickt, bescherte bereits am zweiten Tag einen Höhepunkt, der allein schon die ganze Reise rechtfertigte. Die kleine Wanderung an der Westflanke der Gletscherzunge des Svinafjelljökulls entlang und erst recht der Film über den Vulkanausbruch 1996 im Grimsvatn direkt unter dem Gletschereis und seine verheerende Wirkung, zeigten, dass der augenblickliche Ruhezustand jederzeit einem Schreckenszenario weichen kann, so dass die Brücken über die rieseigen Sanderflächen an der Südküste, über die man führ, ein weiteres Mal instandgesetzt werden müssten. Vor allem am Fuße des Eyjafjallajökull, dessen Ausbruch mit den gewaltigen Ascheauswürfen von vor zwei Jahren den europäischen Flugverkehr lahmgelegt hat, wurde jedem auf dem Hofe eines Viehzüchters deutlich, auf welch explosivem Grund die Isländer wirtschaften. Der Bauer zeigt den Gästen einen Film mit Bildern, die damals um die Welt gegangen sind. Sie zeigen Pferde auf der Flucht vor den schwarzen Aschewolken und die Evakuierung der Bauernfamilie. Und wenn man dann hinaustritt, sieht man einen gepflegten Bauernhof in alpiner Postkarten-Idylle. Nur noch der dunkelgraue Aschenboden zeugt von dem zerstörenden Vulkanausbruch. Auch die anderen Gletscher und schneebedeckten Vulkane, an denen man vorbeikam, die Hekla, der Myrdaljökull, der Langjökull, der Eiriksjökull und der fujiyamagleiche Snaefjellsjökull zeigten sich von ihrer Bilderbuchseite.

Die Gletscherflüsse, die viel Wasser in den Atlantik bringen, haben auf ihrem Weg über die Basaltstufen herrliche Wasserfälle geschaffen. Man konnte sich nicht einigen, ob die großen Fälle wie der Dettifoss, der Gulfoss und der Godafoss, die eine Wassermenge von bis zu 300 m3/sec hinabschießen lassen,  oder eher die kleineren wie der Skogafoss, der Hraunfoss, der Barnafoss oder der Seljalandsfolls, hinter dessen Wasserschleier man herumlaufen konnte, beeindruckender waren. Viele von ihnen konnte man mit ein oder gar zwei Regenbögen, die an den Wassertröpfchen entstanden, ablichten. Andere Flüsse haben auch ohne Kaskaden faszinierende Schluchten durch den Basalt (Kolugljufur) oder die Lavaflächen geschnitten. Und so verließ man fast täglich die Ringstraße, um die ein oder andere Gljufur, also Kluft, wie die Jökulsárgljufur oder den Fjudlargljufur zu begehen. Oder man hielt an einer der vielen Stromschnellen der vielen Laxá, wie die meisten Lachsflüsse hier heißen. Im Laufe der Zeit bekam man ein Gespür dafür, aus welchem Jahrhundert das riesige Lavafeld stammte, das man gerade seit einer halben Stunde durchquerte. Geschichtsträchtig wurde es, als man über die Lava des Ausbruchs von 1783 fuhr, der mit den folgenden mehrjährigen Missernten in Nordeuropa und Nordfrankreich die prekäre Situation mitbewirkt haben soll, die zur Französischen Revolution führte. Der Busfahrer schlug bald die Hände über dem Kopf zusammen, wenn einzelne Teilnehmer einen weiteren Brocken Erinnerungslava im Bus verstauen wollten.

Das Bad inmitten der schwarzen Lavawüste in der sogenannten Blauen Lagune ließ sich aber kaum einer entgehen. Die mit Meerwasser vermischten „Abwässer“ eines Geothermiekraftwerks werden zwischen Reykjavik und Keflavik für ein ungewöhnliches Mineralbad genutzt. Im Anschluss daran zeigte ein Mitarbeiter des Kraftwerks mitten im unwegsamen Lavagelände, unter welch einem Dampfdruck die Bohrlöcher, auch die nicht genutzten, stehen, indem er ein Ventil öffnete und der ohrenbetäubende Lärm auch durch Zuhalten der Ohren unerträglich blieb. 

Dass sich dieser Druck auch spektakulär und effektvoll rhythmisch entladen kann, erlebte man auf dem Geysirfeld, wo der Strokkur, seine Fontäne mit einer Wasserglocke ankündigend, alle zehn Minuten 15 Meter hoch in die Luft emporstieß. Aber der sogenannte Goldene Kreis nordöstlich von Reykjavik hält mit dem Thingsvellir eine weitere Attraktion bereit, zu dem im Sommer die unzähligen Kreuzfahrttouristen täglich in 120 Bussen gefahren werden. Die unzähligen Risse, Spalten, Klüfte und Schluchten zeigen an, dass hier die europäische und die amerikanische Platte circa 2 cm pro Jahr auseinanderdriften. Der isländische deutschsprachige Reiseführer ließ es sich nicht nehmen an der Almannagjá-Schlucht auf die Bedeutung von Alfred Wegener und seine Theorie der Plattentektonik und der Kontinentaldrift einzugehen und darauf hinzuweisen, dass man sich in Island  vom untermeerischen Mittelatlantischen Rücken trockenen Fußes einen Eindruck verschaffen kann, der hier von Südwesten nach Nordosten Island teilt.

Dass jeder der 320.000 Isländer einmal diesen Ort aufsucht, davon zeugten die vielen Schulklassen hier, wurde doch an dieser Thingstätte, als Schallverstärker nützte man die Steilwand des amerikanischen Plattenrandes, jedes Jahr im Sommer für alle Einwohner das geltende Recht gelesen. Von der Geschichte des Landes erfuhren die Reisenden viel an den Schauplätzen der Islandsagas, so nahe des Vulkans Hekla über die Njals-Saga, oder im Laxárdalur und in Reykholt am Ort, wo der Literat und Historiker Snorri Sturluson ermordet wurde. Dass es zu jedem der extravaganten Klifffelsen, zu all den sechseckigen Basaltorgelpfeifen und den Brandungshohlkehlen eine „trollige“ Sage gibt, davon wollte man nach den versteinerten Trollweibchen und -männchen bei Vík lange Zeit nichts mehr hören. Dafür konnte man sich an den herrlichen Steilküsten, vor allem im idyllischen Fischerdörfchen am Seemannsfeiertag, dem 1. Sonntag im Juni, in Arnarstapi am Fuße des Snaefellsjökull mit den Brandungslöchern und -toren und den vielen Dreizehenmöwen, Seeschwalben und auf der Suche nach Papageientauchern nicht sattsehen.

Viele Wagemutige ließen es sich nicht nehmen, bei hohem Wellengang von Husavik an der Nordküste hinaus auf „Walblickfang“ zu fahren. Und man bekam beim Whale Watching Schwanzflossen und Rücken von Blau- und Buckelwalen zu Gesicht. Die 1,3 Mio Tonnen Fischfang Islands wurden aber nicht nur hier angelandet. Dass sich mit den Fischhäuten auch modernen Design verbindet, erfuhren die Islandfahrer in der Fischhautgerberei von Saudárkrokur.  Der Blick hinaus durch die Busscheiben zeigte häufig die grünen Weiden, auf denen immer wieder die Mutterschafe mit ihren zwei Lämmern fluchtartig das Weite suchten, wenn ungewohnter Anblick und Geräusch eines Busses die Einsamkeit störten. Die Islandpferde und die viele Singschwäne ließen sieh dagegen selten stören. Bei einer Einwohnerdichte von weniger als einem Einwohner pro km2 (wenn man die „dichtbesiedelte“ Region um Reykjavik ausnimmt) gab es über jeden einzelnen der  Bauernhöfe, die in manchen Teile über 30 km auseinander liegen, jeweils etwas aus der tausendjährigen Geschichte zu berichten. Gut beglaubigt weiß jeder Isländer, dass er in mindestens siebter Generation mit jedem anderen Isländer verwandt ist, was die Inselbewohner zu idealen Studienobjekten der Genforschung macht. Überhaupt kam es einem vor, als ob jeder jeden kennt. Das dicke Telefonbuch für ganz Island ist logischerweise dann auch alphabetisch nach Vornamen geordnet.

Wie es sich in den traditionellen mit Grassoden isolierten erdnahen Bauerngehöften in den vergangenen Jahrhunderten lebte, davon konnte man sich im Glaumbaer-Bauernmuseum überzeugen. Welche Bedeutung der Kirche zukam und zukommt, zeigten die vielen kleinen Holzkirchlein, aber auch die extravaganten modernen Bauten in den Kleinstädten mit ihren tausend Einwohnern. Originell ist auch die Hallgrims-Kirche in Reykjavik, wo gerade der Schlusschor zu Beethovens 9. Sinfonie geprobt wurde, die am Wochenende in der neuen Konzerthalle, die als Bauwerk aus viel Glas den Hafenbereich der Hauptstadt dominiert, zur Aufführung kam. Auch Perlan, das modernistische Gebäude, das über der Stadt thront, zeugt noch von den großen Plänen, mit denen Islands Hauptstadt, eine Stadt mit gerade mal 100.000 Einwohnern, vor der Bankenkrise in der Champions League der Weltstädte mitspielen wollte.

Teuer ist Island immer noch. Davon kann man sich überzeugen, wenn man die Speisekarten der Restaurants in Reykjavik liest und die Preise für die hervorragend zubereiteten Lammkoteletts oder die vielen Fischgerichte studiert. Die Isländer gehen im Allgemeinen kaum vor dem 70. Lebensjahr in Rente. Das bewies auch der Führer Gylfi, der mit seinen 80 Jahren der Gruppe voran zu Gletschern, Schluchten, Wasserfällen und Vulkanen eilte. Die Vulkanzone am Myvatn, dem „Mückensee“, hielt am vorletzten Tag der Reise besondere Höhepunkte bereit. „Augenkonfekte“ nannte sie Gylfi. War man bereits früher mit dem Bus in den amphitheatralischen Vulkan Holaholar direkt  hineingefahren, so spazierte man nun über und durch die vielen Pseudokrater am Myvatn, bevor man den Kratersee Hel Viti und die kilometergroße Caldera der Kraftla besuchte. Beeindruckt waren alle von der aktivsten Zone des isländischen Vulkanismus, von den Fumarolen, den kochenden blubbernden Schlammtöpfen und den Solfataren mit den Schwefeldämpfen, die einen an den Geruch erinnerten, den man immer dann wahrnehmen durfte, wenn man beim Duschen das heiße Wasser nutzte, das die Isländer häufig direkt aus den bis zu 98 Grad heißen Quellen kilometerweit in die Siedlungsgebiete leiten.

Der letzte Tag zeigte ein Island der anderen Art. Im Hochland des Inneren schneite es, die Straßen ließen zu wünschen übrig und der Wind frischte unangenehm auf. Man war sich einig, dass die Wetterlage mit tiefliegenden Wolken einem den Abschied von dieser fantastischen Insel erleichterte. Die, die auf der Hinfahrt die ruhige See bemängelt hatten, bekamen bis Färöer dann bei Windstärke 6 einen etwas raueren Nordatlantik geboten. Aber nach dem Halbtagesaufenthalt in Torshavn, wo der Fussballnachwuchs im Stadion trainierte, um wieder einmal einer großen Fussballnation ein Unentschieden abzutrotzen, beruhigte sich die See, so dass alle Teilnehmer bei bester Gesundheit in Dänemark und am letzten Ferientag der Pfingstferien nach 8.000 km zu Wasser und zu Land übervoll mit Eindrücken im Ostalbkreis eintrafen.

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