Von Schützengräben und Soldaten

Im Wintersemster 2013/14 hatte der Professor Dr. Gerhard Fritz zusammen mit Junior- und Seniorstudenten ein Projekt unter dem Titel „Schwäbisch Gmünd und der Erste Weltkrieg“ durchgeführt. Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Ersten Weltkriegs ist ein umfangreiches Buch mit zahlreichen Quellen, darunter Briefe, Postkarten oder Tagebucheinträge im Einhorn-Verlag erschienen. Die Rechercheergebnisse stellte Professor Fritz nun in einem Vortrag am Rosenstein-Gymnasium vor.

Von Milena Schurr

Da der Historiker die meisten Informationen aus dem Gmünder Stadtarchiv bekam, bestanden seine meisten „Zeitzeugen“ aus orginialen Fotos aus den Jahren 1914-18. Anfangs berichtete er vom gefeierten Auszug der Gmünder Soldaten und der schnell abebbenden Begeisterung für den Krieg, der am Ende über zwei Millionen tote Deutsche und hunderttausende Invalide forderte. Postboten wollten nachdem die ersten Soldaten gefallen waren, keine Briefe mehr austeilen, aus Angst Familien die Nachricht vom Tod des Vaters, Sohnes oder Onkels zu überreichen.  Interessanterweise hatten die Studenten keine Bilder aus den Tagen der sogenannten Julikrise gefunden, die nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers und seiner Ehefrau in Sarajevo zum dato schlimmsten Krieg der Geschichte führte. Zusammen mit einer Delegation aus der schwäbischen Heimat scheute  Gerhard Fritz keine Mühen und besuchte letzten Sommer einen Soldatenfriedhof im Elsass, dort fand man Gräber von Gmünder Soldaten, die an der Front gefallen waren. Die hohen Verluste von 20% bei 1000 rekrutierten Soldaten zeigen, wie unzureichend die militärische Ausbildung von gerade einmal sechs Wochen war. So schrieb ein Soldat in einem Brief an seine Freundin: „Jeder Gang in den Schützengraben ist Selbstmord.“  Da dieses Batallion aus Grünschnäbeln im Alter von 20-27 Jahren bestand, ist jugendlicher Übermut ebenso ein entscheidender Faktor gewesen. Die älteren Männer dagegen wurden nach Serbien entsendet. Da die dortige Bevölkerung auf dem Land sich sehr aufgeschlossen gegenüber den Fremden zeigte, durften die Gmünder an einer traditionellen Bauernhochzeit teilnehmen. Dass zwischen den einfachen Leuten erbitterte Feindschaft herrschte, ist also nur ein Klischee. Aber sein eigentliches Ziel sei es, den Kriegsalltag auf lokaler Ebene zu zeigen. Dabei beleuchtete er ungewöhnliche Aspekte des Krieges, zeigte Bilder abseits von Schützengräben und Materialschlachten. Man erfuhr von Müttern die ihre Töchter ermunterten mit Kriegsgefangen anzubandeln, da potentzielle Ehemännern genauso Mangelware waren wie Essen. Besonders eindrucksvoll zeigte das ein Plakat, auf dem die Anleitung  für ein Kochrezept stand. Aber anstatt Zutaten sollte man lieber gleich die Rationskarten kleinschneiden. Nicht nur wegen dem Hunger und Elend der Bewohner der ältesten Staufferstadt, war der Krieg grausam. Gerhard Fritz präsentierte Bilder vom Stadtgartensaal, der zu einem improvisierten, heillos überfüllten Lazarett hergerichtet worden war. Junge Mädchen mussten ohne jegliche Ausbildung Invalide mit den schlimmsten Verstümmelungen behandeln. Einprägsam sind wohl die Leistungen eines gewissen Dr. Alfred Wörner. Er führte innerhalb dieser vier Jahre über 3000 Operationen durch und machte dabei keine Unterschiede zwischen deutschem Soldaten oder französischem Kriegsgefangenen. Diesen ging es damals besser als man vermutet. Sie erhielten Briefe und Essenspakete von besorgten Verwandten und erhielten eine ehrenvolle Beerdigung auf dem Friedhof von Schwäbisch Gmünd. Aber nicht nur Franzosen, sondern auch russische Gefangene prägten das Stadtbild. Das Lager drohte bald aus allen Nähten zu platzen. So zitierte Fritz aus einem öffentlichen Schreiben „Jeder mit einer eigenen Wohnung muss mindestens einen Soldaten übergangsweise aufnehmen.“

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