Technisierte Chirurgie – Sinn oder Spielerei?

Dr. Jens Mayer hielt die zweite von den sechs Ringvorlesungen bei SaRose am Rosenstein-Gymnasium zum Thema Medizinethik. Er ermöglichte in der vollbesetzten einen weiteren Einblick in diesen Grenzbereich des medizintechnisch Möglichem und ethisch Vertretbarem.      

Von Chiara Kölbl

Vortrag

Der zweite von sechs Abenden aus der Vortragsreihe Medizin und Ethik beschäftigte sich mit dem Grenzbereich des medizintechnisch Mögliche und ethisch Vertretbarem.

Ein Patient liegt auf dem OP-Tisch. Über ihm ragen einige weiße Metallärme, vom Arzt, der etwas entfernt  am Joy-Stick sitzt, gesteuert. Nein, das ist keine Szene aus einem Science-Fiction Film und auch kein Blick in die Zukunft der Chirurgie. Solche Roboter-Operationen werden in unserer Zeit schon angewendet und hätten, wie der Allgemein – und Viszeralchirurge Dr. Jens Mayer vom Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd, sagt, im Gegensatz zu den von Menschenhand  durchgeführten Operationen, auch einige Vorteile, so die bessere Abwinkelungsfähigkeit der Roboterarme. Mayer ging  in seinem Vortrag zuerst auf die grundlegende Probleme in der Chirurgie ein, wie die Freilegung von gesundem Gewebe, um an das kranke heranzukommen und dieses entfernen zu können, ganz nach dem Grundsatz: „primum nil nocere“ – zuerst einmal nicht schaden. Dies wurde am  Beispiel eines Darmkrebspatienten verdeutlicht. Dabei kommen zwei Verfahren zur Anwendung: die gewöhnliche OP mit dem klassischen Schnitt oder die Schlüssellochbehandlung, wobei der Zugang zum erkrankten Gewebe mit mehreren kleinen Schnitten und der Einführung einer Instrumentenhülse geschaffen wird. Diese moderne Operationsmethode, die, durch die kleinen Schnitte zu einer schnelleren Wundheilung beiträgt, könne ein Arzt jedoch nur mit viel Erfahrung und dem nötigen technischen Know-How durchführen. So hat Mayer nach seinem Studium nochmal 12 Jahre gebraucht, um diese Weise eigenständig und souverän operieren zu können. Hat man jedoch erst einmal die sehr teure apparative Ausstattung und operiert nur, wenn es auch wirklich nötig ist, bewährt sich die Schlüsselloch – OP sehr gut. Durch die schnellere Wundheilung und die kürzeren Liegezeiten könne nämlich die Rehabilitation schneller eingeleitet werden und so sei eine frühere Anschlussbehandlung möglich, die das erneute Auftreten der Krankheit sehr verringere. Außerdem werde die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus verkürzt und somit auch die Kosten, getreu dem Motto: „Schaffa, schaffa, Beiträg spara“. Im Gegensatz dazu könne aber auch mit der technisierten Operationstechnik  unnötige und teure Spielereien gemacht werden, die sogenannten „industry drivens“, also von der Industrie angekurbelten Gimmiks. Schlussendlich aber überzeugt die technisierte Chirurgie, denn sie gibt sinnvolle Impulse zur Weiterentwicklung der Chirurgie und in Maßen eingesetzt, dient sie dem Wohl des Patienten, dem Ziel jedes Arztes. Dies hat Dr. Jens Mayer in seinem anderthalbstündigen Vortrag den Schülern, Lehrern, Eltern und Interessierten überzeugend und anschaulich vermittelt. 

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