SaRose in den Pfingstferien unterwegs in Marokko

Heubacher Schulverein mit Bus und Schiff zwei Wochen nach und durch Nordwestafrika: Nach der erfolgreichen Premiere vor drei Jahren nach Island unternahm SaRose, der Schulverein am Rosenstein-Gymnasium, wieder eine kombinierte Bus- und Kreuzfahrt. Dieses Mal führte sie 30 SaRose-Mitglieder und deren Freunde vierzehn Tage nach Marokko. War vor 2012 der Zwischenhalt auf Färöer, konnte man dieses Mal das nächtliche Treiben im Hafen von Barcelona miterleben, legte doch die Ikarus der Grimaldi-Line zwischen Livorno und Tanger in Katalonien an.

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Nach zwei Tagen Schiffsüberfahrt über das ruhige westliche Mittelmeer wurden die Reisenden nicht nur vom Affenfelsen von Gibraltar begrüßt, sondern auch die gegenüberliegenden Berge des 12 km entfernten afrikanischen Ufers hießen die Ankömmlinge mit „Allah, el-Watan, el-Malik (Gott, die Heimat, der König) mit riesigen arabischen Buchstaben über den Hängen des Hafens von Tanger Med  willkommen. Und dass Marokko eine Monarchie ist, zeigte sich an den unzähligen Fotos in Hotels, Büros und Geschäften, auf denen immer Mohammed VI zu sehen ist. Von dem neun Kilometer langen neuen Hafen von Tanger Med bot die Reise fast alle Highlights, die man sonst in dreiwöchigen Rundtouren durch Marokko erreichen kann. Drei Gebirge, das Rifgebirge, der Mittlere Atlas und der Hohe Atlas überquerte man, z.T. auf über 2000m hohen Pässen, den Anti-Atlas konnte man vom Dadés-Tal aus sehen. Die ersten Tage verbrachte man im nördlichen Marokko, wo man im Rifgebirge mit Chefchaouen und Moulay Idriss zwei „heilige Stätten“ des marokkanischen Islam in herrlicher Lage besuchen konnte. 

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Aber beeindruckender waren doch die beiden Königsstädte von Meknes und Fes. So konnte man die herrlichen Stadttore wie das Bab Mansour, das Mausoleum von Moulay Ismael und die Königlichen Gärten und die von blau blühenden Jacarandas gesäumten Boulevards und Stadtmauern von Meknes bewundern wie auch das Bab Boujeloud –Tor , die Medersa el-Atterine und den Innenhof der Kairaouine-Moschee sowie den siebentorigen Eingang zum Königspalast in Fes. Was man schon am frühen Morgen vom Borj Süd, der Südburg, als faszinierende Stadtanlage von Fes überblickt hatte, erwies sich beim langen Rundgang durch die Mellah, die alte Judenstadt, und durch die Medina, die Altstadt von Fes, als ein Ausflug ins Mittelalter. Im verwirrenden Labyrinth der häufig nur einen Meter breiten Bazargässchen die dreißigköpfige Gruppe zusammenzuhalten, erforderte mitunter bis zu drei Begleiter, die die Gruppe durch den Bronze-Silber-Bazar, den Bazar der Wollweber bis zu den spektakulären Gerbereien führten, wo wie vor Jahrhunderten in Wannen Felle gegerbt und gefärbt werden.

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Auf der Fahrt durch den Mittleren Atlas konnte man auf einem Spaziergang die Kühle der herrlichen Zedernwälder genießen und die ausgedehnten Vulkan- und Lavalandschaften bestaunen, auf denen die Nomaden aus der Sahara gerade ihre Sommerzelte aufschlugen und die Schaf-, Ziegen- und Kamelherde frisches Grün in 2000 Meter Höhe abweideten. Die Fahrten durch den Hohen Atlas boten mit der Ziz-Schlucht und der Todra-Schlucht beeindruckende Zeugnisse von der Erosionsarbeit der Atlas-Flüsse, die von Viertausendern kommend, spektakuläre Canyons ins unwirtliche Gebirge geschnitten haben. Entlang der 80 km langen Flussoase des Tafilalet mit ihren 2 Millionen Dattelpalmen, die als dritte Etage, den dreistöckigen Stockwerksanbau aus Gemüsebeeten und Obstbäume überragen, erreichte man in Erfoud den südlichsten Punkt der Reise in Südmarokko. Mit sechs Landrovern ging es zunächst auf Pisten durch die Hamada, die Schotterwüste, bis man auf dreißig Kamelrücken die Sanddünen des Erg Chebbi erklomm, um nach einem unvorstellbaren klaren Wüstensternenhimmel die Sonne über den hundert Meter hohen Sanddünen an der algerischen Grenze aufgehen zu sehen.

Quer durch die Schotterwüste fuhr man vorbei an Oasendürfern, in denen die großzügigen, z.T. unbewohnten Neubauten davon zeugten, dass die Berber, die als Gastarbeiter in Frankreich arbeiten, sich hier ihre Altersruhesitze gebaut haben. Das uralte Bewässerungssystem der Foggara konnte man durch einen Spaziergang durch das Tunnelsystem, das Gebirgswasser kilometerlang in die Oase führt, bewundern. In Ouarzazate, ems Zentrum südlich des Hohen Atlas, beeindruckte der Bauboom, den man schon zuvor in Fes und später in Marrakesch und Casablanca mit einer Vielzahl von Neubauvierteln wahrgenommen hatte. Manch einer fragte sich, wer in all diesen neuen Häusern wohnen soll. Dass hier entlang der Straße der Kasbahs eine stattliche Lehmburg neben der anderen thront, haben zwei Filmgesellschaften zum Anlass genommen, hier großflächige Filmstudios zu bauen, was Ouarzazate den Ruf eines „Hollywoods der Wüste“ eingebracht hat. Lang liest sich die Liste der Filmschauspieler, die hier gedreht haben.

Aber die vielen Sonnenstunden haben Ourzazate auch mit einem Parabolrinnenkraftwerk auf einer Fläche von 2100 Fußballfeldern ein ultramodernes Kraftwerkssystem beschert, in dem die durch die neun Meter hohen gebogenen Spiegeln gebündelten Sonnenstrahlen Wasserdampf erzeugen, der die Kraftwerksturbinen antreibt. Die Anlage kann auch dann noch nach Sonnenuntergang Strom einspeisen. Aber auch die Windräder im Rif zeugen davon, dass Marokko die Abhängigkeit seiner boomenden Wirtschaft vom eingeführten Erdöl eingrenzen will.

Die zwei Tage in Marrakesch vergingen wie im Flug. Die vielen Stunden im Bazar und auf dem Gauklerplatz Djemaa el-Fna mit seinen Schlangenbeschwörern, Märchenerzählern und Straßentheatern wechselten mit Besichtigungen der Saadier-Grabstätten, des Märchenpalastes de la Bahia und des farbenfrohen üppigen Jardin de Majorelle, wo Yves Saint Laurent seine letzte Ruhestätte gefunden hat, bevor man sich am Pool erholen konnte.

Die vielen ausufernden Villes nouvelles nicht nur in Marrakesch zeigten ebenso wie die neue Höchstmarke von 10 Millionen Touristen pro Jahr wie auch die neuen Automobilwerke von Renault bei Tanger sowie das gut ausgebaute Netz an Autobahnen, dass Marokko auf dem Weg ins 21. Jahrhundert ist. Um das Bild eines toleranten Islam scheint man selbstbewusst bemüht und die Sicherheit von Bürgern und Touristen will man durch eine hohe und dichte Polizeipräsenz, die sich in unzähligen Straßenkontrollen bemerkbar macht, gewährleisten.

Ein Höhepunkt einer jeden Marokko-Reise sollte der Besuch der Ouzoud-Wasserfällte sein. Leider liegt einer der schönsten und wahrscheinlich ästhetisch harmonischsten Wasserfälle Afrikas weit abseits der gängigen Touristenrouten im Mittleren Atlas. Auf einer langen Tagesexkursion von Marrakesch nach Rabat nahm man den Umweg über den Mittleren Atlas in Kauf, um neben diesem Wasserfall die schöne Gebirgslandschaft im Herzen Marokkos zu durchfahren. Dass dieses Gebirge zugleich der Wasserspeicher Marokkos ist, erkannte man an den großen Stauseen und sah danach vom Gebirgsabfall nach Norden, wie dadurch die 1200 Quadratkilometer große Bewässerungsebene von Beni Mellal zu einem landwirtschaftlichen Intensivgebiet geworden ist. War man viele Tage durch die vielen bereits abgeernteten Getreidefelder, die Stein- und Korkeichenwälder, die Eukalyptus- und Olivenhaine gefahren, so begriff man plötzlich, warum frisch gepresster Orangensaft in Marokko – allein auf dem Gauklerplatz im Marrakesch bieten 34 Stände Orangensaft an – neben dem Pfefferminztee gerade zum Nationalgetränk wird. Bei den Mittagspausen wurden den Gästen Leckerbissen der marokkanischen Küche wie Tajine au citron oder Couscous aux legumes gereicht. Manch einer hat sich Tajine-Töpfe als Souvenir gekauft, in denen wie im Römertopf das Fleisch gegart wird.

In Rabat mit dem neuen bombastischen Mausoleum für König Mohammed V, der Marokko 1956 aus französischer Kolonialherrschaft führte, kam man spät an, aber noch früh genug, um am Abend das Festival Warazine am Fluss im Zentrum von Marokkos Hauptstadt besuchen zu können. War es an diesem Abend nur der jamaikanische Reggae-Rapper Sean Paul, der der marokkanischen Jugend von der riesigen Bühne aus einheizte, konnte man aber doch ermessen, dass Konzertevents wie das von Sting, der am folgenden Tag auftrat, zeigen, dass Rabat zu einer Stadt mit westlichem Lifestyle geworden ist. Interessant war die Reaktion auf den Auftritt von Jennifer Lopez drei Tage vor dem Besuch der Heubacher Reisegruppe. Bei dem vom staatlichen Fernsehen in bester Sendezeit übertragenen Festival-Auftritt in Rabat hatte sie mehr und mehr Hüllen fallen lassen und leicht- bis fast nicht bekleidet ihre Show abgezogen. Bereits am nächsten Tag wurden der verantwortliche Fernsehdirektor und der zuständige Minister ihrer Ämter enthoben. Eine Praxis, die durchaus üblich ist, wenn man bedenkt, dass König Mohammed VI Bürgermeister entlässt, wenn er mit den Modernisierungsarbeiten in ihren Städten nicht zufrieden ist.

Nach den zweieinhalbtausend Kilometern Busfahrt quer durch Marokko konnte jeder Reiseteilnehmer unterschreiben, was der marokkanische Reiseleiter Redouan immer wieder predigte: Eine Rundreise ist kein Urlaub. Die SaRose-Reisenden gennossen abschließend die zwei Tage auf dem ruhigen Mittelmeer, vorbei an Ibiza und Korsika, und ließen die Eindrücke beim dolce far niente nachklingen, so dass man ausgeruht in Livorno wieder den Bus bestieg. Der Vorsitzende von SaRose und Initiator der Reise, Dr. Helmut Rössler, kündigte an, dass man die kombinierten Bus-Schiff-Rundreisen fortsetzen werde.

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