„Menschen hängen sehr an ihrem Leben“

150 interessierte Schüler und Eltern, aber auch Gäste aus Heubach und Umgebung, füllen die Aula des Rosenstein-Gymnasiums vergangenen Donnerstagabend. Dass alle eine Sitzgelegenheit hatten, mussten einige zusätzliche Stühle aus den Klassenzimmern geholt werden. Der dritte von sechs Abenden aus der Vortragsreihe Medizin und Ethik beschäftigte sich mit der Frage, was die moderne Krebsmedizin heutzutage alles kann. Dazu setzte sich der Chefarzt für Onkologie Professor Dr. Holger Hebarth vom Stauferklinikum in seinem einstündigem Vortrag mit anschließender Fragerunde mit dem Thema „Leben verlängern um jeden Preis?“, auseinander. 

Von Leonie Riek

Vortrag

Der dritte von sechs Abenden aus der Vortragsreihe Medizin und Ethik beschäftigte sich mit der Frage, was die moderne Krebsmedizin heutzutage alles kann. 

Das heikle Thema Krebs ist aktueller denn je. In Deutschland sterbe zurzeit jeder dritte an einer Tumorerkrankung und im Jahr 2030 könnten Krebs und Tumore die häufigste Todesursache sein und lägen dann somit vor Kreislauferkrankungen oder Erkrankungen der Atmungsorgane. Mit vielen Statistiken und Fachbegriffen führt er das aufmerksame Publikum durch die Powerpoint-Präsentation und erklärt ausgehend von zweien Beispiele, Brustkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs, das sogenannte Mammographie-Screening, also die Früherkennung und Risikoeinschätzung von bösartigen Tumoren. 

Das heißt zum Beispiel auch, dass eine Frau laut Hebarth gut darüber informiert sein sollte, ob vor ihr Verwandte der ersten Generation schon mit Brustkrebs zu kämpfen hatten, da Krebs auch vererbbar sei. Das Risiko steige hierbei ab dem 45. Lebensjahr bis zum Lebensende an.

Im Kampf gegen den Krebs, wenn dieser schließlich ausgebrochen ist, gebe es zweierlei Waffen: Man könne medikamentös vorgehen, das heißt mit einer Chemotherapie, und operativ. Entscheidet man sich für die Chemo, müsse der betreuende Arzt immer auf das Gleichgewicht zwischen Wirkung und Nebenwirkung zu achten.

Da die Vortragsreihe unter dem Leitthema „Medizin und Ethik“ steht, kam Hebarth danach darauf zu sprechen, was wohl der genannte „Preis“ in der Leitfrage des Vortrags ist. Der Preis, den man in einer Krebsbehandlung bezahlen muss, könne ganz unterschiedlich gedeutet werden: Zunächst, meint er, die Kosten einer Therapie. Hierbei müsse gerecht vorgegangen werden und die Gesundheitsökonomie des Patienten beachtet werden. Gegenläufig zählt auch der Preis bei einem Therapieverzicht dazu, sprich die kürzere Lebenszeit und die geringere Dauer der beschwerdefreien Zeit. 

Auf metaphorischer Ebene könne man auch Toxizität der Behandlung, also der Chemotherapie, sprich Lebensqualität und Nebenwirkungen, und die Dauer des stationären Aufenthalts dazu zählen.

Eine Krebserkrankung ist folglich also immer eine große seelische, wie auch psychische Herausforderung für Patient, Familie und Ärzte. Darum gehe man in der modernen Krebsbehandlung auch immer öfter  in Absprache mit Palliativmedizin zur Verbesserung der Lebensqualität vor. Die Ziele hierbei seien, Symptommanagement, lernen, mit der Situation umzugehen, Unsicherheiten reduzieren und das Lebensende zu strukturieren. Nur durch Kommunikation und Betreuung werde also eine längere Lebenszeit der Patienten garantiert, da diese sich den Symptomen während der Therapie bewusst seien und so weniger Depressionen bekämen.

„Menschen hängen so an ihrem Leben und an der Hoffnung, dass sie noch geheilt werden.“ Hebarth meint, manchmal müsse man sich entscheiden, ob man Mensch oder Patient sein wolle. Dass sich 50 Prozent für Patient entscheiden würden, selbst wenn es nur eine einprozentige Heilungschance gäbe, zeigt, dass die Hoffnung als letztes stirbt. Das Problem ist nur, dass der zuständige Arzt zunächst darüber entscheiden muss und dieser meist sage, dass es meist nicht sinnvoll sei, eine solche Therapiezu beginnen, selbst wenn der Patient diese annehmen würde.

Man merkt, Prof. Dr. Hebarth kennt sich aus in seinem Gebiet, was sich auch daran äußert, dass eine aufmerksame Stille in der bis auf den letzten Platz gefüllten Aula liegt. Nach einem kurzen Exkurs zur Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, die er für sehr sinnvoll erachtet, auch wenn ethisch schwierige Entscheidungen in der Stauferklinik nicht oft auftreten, zeigt er noch eine Fallbetrachtung. Diese läuft nach folgenden Schritten ab: Zuerst gibt es die medizinische Bewertung, man schaue sich hier die Befunde des Patienten an und entscheide über Chancen und Risiken einer Therapie. Wichtig ist die Sicht des Patienten. Da es um sein Wohl und seine Autonomie gehe, habe dieser hier auch ein Wort mitzureden. Danach erst werde eine Synthese erstellt und sich kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt, bis man schlussendlich die Behandlung beginnen könne.

Auch wenn Kritiker meinen, die Krankheit Krebs unterläge einer brutalen Überdiagnostik, könne man laut Hebarth nicht vorsichtig genug sein, was das angeht, und in der Summe können mehr Menschen gerettet werden, wenn man bei der Behandlung sorgfältig und detailgenau vorgehe. Dazu müsse aus ärztlicher Sicht das Krankheitsbild Krebs immer neutral und statistisch betrachtet werden.

Letztendlich könne man auch als Individuum dem Krebs vorbeugen, indem man zum Beispiel mit dem Rauchen aufhöre, auf sein Gewicht achte und Alkohol in nur kleinen Mengen konsumiere. Wobei mit Blick auf die Sa-Rose-Weinflasche, die zum Dank vom Schulverein SaRose überreicht wurde, er zugeben musste, dass „ein Achtele pro Tag für Frauen und ein Viertele für Männer positive Wirkung hat.“

© 2017 SaRose – Schulverein am Rosenstein-Gymnasium Heubach / Zur Homepage des Rosenstein-Gymnasiums
Impressum + Datenschutz