„Der Chirurg wird’s schon richten – Warum man dennoch nicht rauchen sollte“

Umgerechnet stürzt täglich ein Flugzeug ab. Mit rund 300 Menschen, die an den Folgen des Rauchens sterben. Diese und viele weitere schockierende Fakten über das Rauchen, liefert Chefarzt der Gefäß- und Thoraxchirurgie des Stauferklinikums Mutlangen. Dr. med. Julian Zimmermann hielt den vierten Vortrag der SaRose-Reihe zum Thema „Medizin und Ethik“ am Rosenstein-Gymnasium.

Vortrag

Dr. med. Julian Zimmermann hielt den vierten Vortrag der SaRose-Reihe zum Thema „Medizin und Ethik“ am Rosenstein-Gymnasium.

Von Madlen Fuchs

Dass es schwierig ist, Raucher zum Aufhören zu bewegen, bekommt Dr. Zimmermann jeden Tag mit. Selbst die Amputation der Beine, die auf- grund von Durchblutungsstörungen erfolgt, und die Nachricht, an Lungenkrebs erkrankt zu sein, halten Patienten meist nicht davon ab zu rauchen. Dies beweist, dass die Sucht viel größer ist, als sich einige vorstellen können. Deshalb versucht Dr. Zimmermann vor allem junge Menschen zu erreichen, um diese davon abzuhalten, mit dem Rauchen anzufangen. Aus diesem Grund bietet er für Schulklassen der Stufe 6-8 die Antirauchkampagne „ Ohne Kippe“ am Stauferklinikum an, die nicht nur einen theoretischen Teil beinhaltet, sondern bei der auch Patienten, die an Lungenkrebs erkrankt sind, ihre Erfahrungen mit dem Rauchen und dessen Folgen den Schülern weitergeben. Denn wer vor dem 18. Lebensjahr anfängt zu rauchen, steigert sein Krebsrisiko um 50%. Und auch wenn den meisten die Folgen des Rauchens, wie Lungenkrebs, Impotenz (bei Männern) und Durchblutungsstörungen bekannt sind, sind die Fakten doch erschreckend. Denn 30 % aller Todesfälle zwischen dem 35. und dem 69. Lebensjahr sind durchs Rauchen bedingt. So sind seit 1950 50 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens gestorben: 50 Millionen Menschen, die sich das tödliche Ding in den Mund steckten, ohne über- haupt zu wissen, was sie eigentlich rauchen. Denn von 4000 Inhaltsstoffen sind 3900 unbekannt. Ein Versuch, bei dem 400 Zigaretten verbrannt wurden zeigte, dass am Ende ganze 7,2 Gramm Teer übrigblieben und das Bild der dreckigen Masse erschreckt alle hundert Zuhörer.

Und dass „mild“, „light“ und „ultralight“ auf den Zigarettenpackungen steht, hat letztendlich nichts damit zu tun, wie viel Teer und Nikotin man zu sich nimmt. Es führe leider meist nur dazu, dass viel mehr geraucht wird. Denn wie man es auch wendet und dreht, einem Raucher geht es um das Nikotin in der Zigarette. Und hier beginnt die Sucht, die bedingt ist durch die vom Nikotin erzeugten Glücksgefühle, was die Zigarette damit zur legalen Droge werden lässt.

Der Gesellschaftswandel führt außerdem dazu, dass auch immer mehr Frauen mit dem Rauchen beginnen. So liegt die Zahl, der an Lungenkrebs erkrankten Frauen bei 15600 pro Jahr mit steigen- der Tendenz und einem Durchschnittsalter von 68 Jahren und bei Männer, bei 34000, Tendenz fal- lend und einem Durchschnittsalter von 69 Jahren. Insgesamt sind 85% der Patienten mit Lungenkrebs Tabakkonsumenten. Die sogenannte Zeitfal- le besteht darin, dass jeder vierte Raucher nach 20 Jahren und jeder zweite Raucher nach 40 Jahren stirbt, wobei Krankheiten wie pAVK (periphere arterielle Gefäßerkrankung) oder Lungenkrebs erst 15 Jahren nach Beginn des Rauchens auftreten.

Auch die Risiken des Rauchens während einer Schwangerschaft dürften nicht vergessen werden. Das Risiko für eine spontane Fehlgeburt in den ersten drei Monaten erhöht sich, wenn während der Schwangerschaft geraucht wird, um das Zehnfache. Zehn Zigaretten in der Frühschwangerschaft erhöhen das Risiko, das Kind zu verlieren um 46%, 20 Zigaretten sogar um 61%. Das Risiko des plötzlichen Kindstodes erhöht sich um das Achtfache, da das Kind bereits direkt nach der Geburt seinen ersten Entzug zu durchleben hat.

Die Frage ob E- Zigaretten und Shisha gesünder seien als normale Zigaretten, beantwortete Dr. Zimmermann mit einem Nein. Da auch hier die Inhaltsstoffe unbekannt sind und man bei einer Shisha viel länger und intensiver inhaliert. Außerdem begännen mehrere, die E-Zigaretten rauchen nach kurzer Zeit richtige Zigaretten zu rauchen. Wer Zimmermanns Ausführung verstanden hat, begreift nicht, warum seit wenigen Jahren großflächige Zigarettenwerbung wieder erlaubt ist.

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