Costa Rica – Pura vida in der Schweiz Mittelamerikas

,,Das Schöne an seinen Vorträgen ist es, dass man sich ein Land aussuchen kann und schon hat Prof. Rother einen Vortrag darüber parat‘‘,  so Dr. Helmut Rössler, Vorsitzender des Schulvereins SaRose in seiner kurzen Begrüßung. Nun bereits zum über zehnten Mal war Prof. Dr. Lothar Rother mit einem seiner Vorträge am Rosenstein-Gymnasium Heubach zu Gast. 

Von Lisa Brenner

VORTRAG

Prof. Dr. Lothar Rother begeisterte die Zuhörer mit einem Vortrag über Costa Rica. 

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Das Thema dieses Mal ,,Costa Rica – Pura vida in der Schweiz Mittelamerikas‘‘. Der Vortrag stand ganz unter dem Motto ,,Klein aber fein‘‘, denn der lateinamerikanische Staat Costa Rica macht flächenmäßig zwar nicht viel her, hat aber trotzdem einiges zu bieten.  Unterstützt durch selbstgeschossene Fotos wurden dem Zuhörer in Wort und Bild viele Eindrücke und Informationen über das Land vermittelt. 

Costa Rica, ,,die reiche Küste‘‘, grenzt im Norden an Nicaragua und im Süden an Panama. Ost und West ist jeweils durch die Karibik und den Pazifik begrenzt.  Dadurch herrscht eine besondere klimatische Situation: An der Karibikküste ist es das ganze Jahr durch die aus dem Norden kommenden Passatwinde regnerisch, an der Pazifikküste eher trocken. Costa Rica verfügt über eine außerordentliche Vegetationsvielfalt und Biodiversität. ,,Nirgends findet man eine größere Anzahl an Tieren und Pflanzen auf so kleinem Raum.‘‘. Die Landschaften reichen von Mangroven- und Wolkenwäldern, über den tropischen Regenwald bis hin zu wunderschönen Stränden und der Cordillera de Talamanca, die sich durch ganz Costa Rica zieht. In dieser Gebirgskette finden sich einige aktive oder auch bereits erloschene Vulkane. Zwei Beispiele sind Costa Ricas höchster Vulkan Irazú, der zu den gefährlichsten Vulkanen des Landes zählt, und der ebenfalls noch aktive Vulkan Poás. Durch die vielfältige Flora und Fauna des Landes fühlt man sich laut Prof. Rother ,,wie im Garten Eden, in dem man sich einfach nicht sattsehen kann‘‘. Viele Tiere, die in Costa Rica zu finden sind, sieht man bei uns nur im Zoo: Tukane, Krokodile, Leguane, Totenkopfaffen und Kolibris sind nur ein paar Beispiele. Zum Glück haben die Menschen in Costa Rica frühzeitig begriffen, dass die Natur und der tropische Regenwald ein Schatz sind, den man bewahren muss, denn sonst kann man sich wahrscheinliche bald vom ,,Garten Eden‘‘ verabschieden. ,,Use it or lose it.‘‘: Es lohnt sich, den Regenwald dauerhaft zu behalten und nachhaltig zu nutzen, anstatt ihn durch Abholzung zu verlieren. Nach der (…) Bestimmung von 1992 war Costa Rica das erste Land, das Konsequenzen daraus gezogen hat. Bei jeder zu Erfolg führenden Entwicklung aus einer Pflanze aus Costa Rica wird das Land am Gewinn beteiligt. So lässt es sich seinen Naturschatz nicht einfach so wegnehmen. Dass der Naturschutz in Costa Rica eine große Rolle spielt, merkt man zum Beispiel auch durch die vielen Nationalparks; kaum ein Land setzt bei so geringer Flächen ein so großes Territorium für den Naturschutz ein. 

In Costa Rica gab es nie eine Hochkultur wie zum Beispiel die Maya. Die indigenen Völker der frühen Kulturen waren die Chibcha, die von Jagd und Ackerbau lebten und die bis heute erhaltenen Steinkugeln von Costa Rica fertigten, die 1400 aus dem Norden zugewanderten Chorotega, die eine hochentwickelte Kultur mit sich brachten, handwerklich veranlagt waren und viele Keramikkunstwerke herstellten und die Nahuatl, durch deren Zuwanderung es zu einem kulturellen Aufschwung kam, da sie eine neue Gesellschaftsordnung brachten und durch die Verarbeitung von Metall und Gold großartige und sehr detaillierte Werke schufen. Im 16. Jahrhundert begann die Zeit des Spanischen Kolonialreichs: 1502 erreichte Kolumbus zum ersten Mal Costa Rica, darauf versuchten die Spanier bis 1530, das Land zu erobern. Allerdings verloren sie das Interesse und wandten sich Costa Rica erst 1560 wieder zu. Das Land blieb eine der ärmsten Kolonien, die von den Spaniern nachlässig verwaltet wurde. 

Im 19. Jahrhundert, nach dem Bürgerkrieg von 1823 und der Unabhängigkeit Costa Ricas, entstand die Kaffeekultur  und die sogenannten Kaffeebarone kamen an die Macht. Diese verfügten über großen Reichtum,  während der Großteil der Bevölkerung an Armut litt.  Neben Kaffee, der auch heute noch eins der wichtigsten Exportgüter Costa Ricas ist, bekamen  auch die Bananenplantagen  eine große Wichtigkeit. Die United Fruit Company war sozusagen ein ,,Staat im Staate‘‘, der in Zusammenarbeit mit Großgrundbesitzern und Politikern einen großen Einfluss in Costa Rica hatte. Auch heute hat der Konzern, der nun unter dem Namen Chiquita bekannt ist, sehr großen Einfluss auf die Regierung des Landes, da Bananen immer noch eins der wichtigsten Exportgüter darstellen und Costa Rica deshalb nicht auf Chiquita verzichten kann. 

In Costa Rica herrscht zwar kein besonders großer Wohlstand, aber im Vergleich zu den Nachbarstaaten hat das Land einen deutlichen Entwicklungsvorsprung. Trotzdem ist es sehr auf Fremdinvestitionen und den Tourismus angewiesen und wirbt regelrecht um Einwanderer. Was hier sehr für das Land spricht, ist seine innere Stabilität, die heutzutage sehr selten ist, obwohl Costa Rica seit dem 1.12.1948 kein Militär mehr hat. Sie seien ,,inmitten von Unruhen immer ihren Weg gegangen‘‘. Von dieser Neutralität des Landes kommt auch die Bezeichnung ,,Schweiz Mittelamerikas‘‘. Einen weiteren Grund für die innere Stabilität sieht Prof. Rother in der Lebenseinstellung der Menschen: ,,Pura vida‘‘. Die Freude am Leben ist im Volk stark verbreitet. Sie sind zufrieden, auch wenn sie nicht ganz oben stehen und genießen das Leben, was man zum Beispiel in Großstädten wie der Hauptstadt San José sehen kann, die die übrige Hektik einer Metropole vermissen lassen. Und mit dieser Lebenseinstellung der Menschen beendete Prof. Rother seinen Vortrag mit einem Foto, das farbenfrohe Handtücher an einer Wäscheleine zeigt, in denen sich ,,die besondere Lebensfreude vielleicht widerspiegelt‘‘.

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