Island - Extrem

Unsere Bildergalerie zum Vortrag über Island finden Sie hier.

Nicht zum ersten Mal gab sich der Weltenbummler Wolfgang Boffa die Ehre, einen seiner mittlerweile fast legendären Vorträge im Rahmen des Schulvereins SaRose zu halten. Schon die vorausgegangenen Veranstaltungen rund um seine Reisen über den gesamten Globus waren außerordentlich gut besucht, doch der diesjährige Vortrag setzte sogar noch einen drauf. 

Von Levent Beyer

Dr. Helmut Rössler, Vorsitzender des Schulvereins, freute sich darüber, dass über 200 Zuschauer die zweieinhalb Stunden lange, kurzweilige Veranstaltung in der Aula des Rosenstein-Gymnasiums erleben durften. Das hohe Interesse verwundert nicht, wenn man Boffa erzählen hört: Der Bartholomäer überzeugt mit seiner lockeren, witzigen Art, der schwäbische Dialekt tut sein Übriges. Begleitet von Fotos hatte er bereits über mehrere seiner Touren berichtet. Thema an diesem Abend war Island, das Land aus Feuer und Eis. Der Inselstaat unterscheidet sich in einem wesentlichen Aspekt von anderen Ländern: Die Anzahl an jährlichen Touristen steigt mittlerweile über das Vielfache der Einwohnerzahl hinaus. 2016 waren es ungefähr 1,7 Millionen Besucher bei gerade mal 336.000 Einwohnern. Warum dieses abgelegene Land dermaßen beliebt ist, kam während des Vortrags von Wolfgang Boffa eindrucksvoll zum Ausdruck: Der Stammgast am Rosenstein-Gymnasium hatte das Land 2016 insgesamt vier Monate lang mit einem Allrad-Wohnmobil durchquert. Dazu erwähnte er eingangs, dass er gar nicht verstehen könne, wie man das Land als Tourist lediglich etwa sieben oder vierzehn Tage besuchen könne; „In so kurzer Zeit kann man Island nicht erleben“. Bei seiner Anreise Ende Mai lag nach wie vor Schnee „bis an die Fjorde runter“. 

Die Isländer profitieren sehr von den Naturgewalten ihrer Heimat: Strom wird ausschließlich mittels Wasserkraft und Geothermie erzeugt, Energie kostet fast gar nichts. Andere Dinge sind dafür umso teurer, Lebensmittel etwa: „Für eine einfache Suppe zahlt man schon mal 23€!“

In den vier Monaten besichtigte er zahlreiche Wasserfälle, darunter etwa den 122m hohen Háifoss, den dritthöchsten Islands. Im Südosten erlebte er gar den höchsten des Landes, den Morsárfoss, dessen gewaltige Wassermengen 227m in die Tiefe rauschen. Beeindruckt war Boffa auch vom Spalt zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Platte, welcher in der Nähe des Wasserfalls verläuft. Dieser zieht sich mitten durch Island, was unter anderem Ursache für die 31 aktiven Vulkane der Insel ist. Er erwähnte, dass dieser Spalt jährlich um rund zwei Zentimeter wächst. 

Auf dem Programm seiner Reise stand auch eine Fahrt zur Gletscherabbruchskante des Vatnajökull, dem größten Gletscher Islands. Während er dort war, dauerten die Nächte wegen der Mitternachtssonne oben im Norden gerade zweieinhalb Stunden. Boffa verpasste außerdem nicht die Gelegenheit, ein paar ernste Worte über das - bedingt durch die Erderwärmung - drastische Schrumpfen der Gletscher in Island zu verlieren. Vom Vatnajökull ging die Reise weiter Richtung Landeshauptstadt Reykjavik.

Dort ließ sich Boffa das älteste bestehende Parlament der Welt nicht entgehen, wo man sich sogar in dessen Garten setzen kann. In dieser Stadt erlebte er am 17. Juni den Nationalfeiertag. 1944 wurde die Unabhängigkeit von Dänemark ausgerufen. Man feierte  diesen Tag mit Wikingerfesten samt Showkämpfen sowie historischen Märkten. Während seines Aufenthalts dort fand zudem die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich statt. Nachdem die isländische Mannschaft überraschende Siege erzielte, verfiel das ganze Land in ein Fußballfieber. Plötzlich verfolgten mehr als 40 000 Menschen die Spiele in der Innenstadt Reykjavíks beim Public Viewing, Boffa mitten unter ihnen. Unklar ist, ob damals mehr Isländer in Frankreich vor Ort oder in der Heimat versammelt waren. Als im Internet ein Video des isländischen Fernsehkommentators kursierte, welcher durch eine unterhaltsame Reaktion auf ein Tor bekannt wurde, sprach er eine Bedienung in einer Bar darauf an. Auf die Frage, ob sie den Kommentator kenne, antwortete sie verdutzt: „Natürlich, das ist mein Onkel!“. Manch ein Klischee über Island hat also womöglich einen wahren Kern.

Reykjavík war nicht das letzte Ziel seiner Tour. Der Berg Eyjafjallajökull(1651m) im Süden mit dem sechstgrößten Gletscher Islands, den er später besuchte, faszinierte ihn so sehr, dass er einen Aufstieg wagte. Dieser dauerte neun Stunden, doch kurz vor dem Krater musste er umkehren - er und seine Mitwanderer vergaßen, Proviant mitzunehmen und hatten langsam mit Entzugserscheinungen zu kämpfen.

In einer anderen Landschaft sind ihm besonders die zahlreichen wilden Beeren aufgefallen, worin er einen klaren Verwendungszweck erkennt: „Hier sollt´ mer a Gsälzfabrik aufmacha!“

Ein einwöchiger Abstecher führte Boffa nach Grönland, wo er Wanderungen an und auf das Inlandeis unternahm. Die Färöer Inseln, welche etwa in der Mitte zwischen dem europäischen Festland und Island liegen, wollte Boffa sich ebenfalls nicht entgehen lassen. Dabei verbrachte er viel Zeit in der „kleinsten Hauptstadt der Welt“, Tórshavn. In der Natur stieß er auf Schneehasen, die er sogar auf Fotos festhalten konnte. Auf dem isländischen Festland sichtete er mehrere Papageitaucher und fand auf Grönland sogar Spuren von Eisbären im Schnee.

Wer glaubt, das Wetter in Island sei verregnet und kalt, irrt: In den vier Monaten, die Boffa in dem Land im Norden verbrachte, habe es lediglich an 13 Tagen geregnet. Er sprach gar von einem „Jahrhundertsommer“, Sonnenbrand inklusive. Doch auch kalte Tage waren die Regel, doch schlimm ist das in Island keineswegs: Wem es zu kalt ist, der steigt einfach in einen der über 700 auf der Insel verstreuten „Hot Pots“. Diese whirlpoolähnlichen heißen Quellen gibt es in allen erdenklichen Formen und sie sind äußerst beliebt bei der einheimischen Bevölkerung.

Aufgrund des Terrains hatte er präventiv acht Autoreifen mitgebracht. Im Laufe seiner Reise war der Zukauf eines neunten nötig – am Ende waren alle verschlissen. 

Schwarze Strände, glänzende Gletscher, wuchtige Wasserfälle, gewaltige Geysire. Was von diesem ebenso unterhaltsamen wie interessanten Abend mit seinen beeindruckenden 600 Fotos bleibt, ist ein Einblick in die Vielfalt Islands, einem geografisch zwar abgelegenen aber dafür umso atemberaubenderem Land. Und die Erkenntnis, dass man sich bei öffentlichen Toiletten in Island nicht darüber wundern sollte, mit einer Kreditkarte zahlen zu müssen.

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