Mit Boffa in Südostasien

Nun bereits zum sechsten Mal konnte SaRose-Vorsitzender Dr. Helmut Rössler den Globetrotter Wolfgang Boffa in der Aula des Rosenstein-Gymnasiums begrüßen. Diesmal waren der Einladung über 200 Personen gefolgt, die erfahren wollten, was der Weltreisende von seiner fünfmonatigen Rucksackreise zu erzählen hatte. 

Von Danielle Griswold

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Diesmal führte Boffa sein Weg nach Südostasien, von Vietnam durch Kambodscha, Laos und Thailand nach Myanmar. Unterstützt von zahlreichen Fotos, erzählte er zunächst von seinen Begegnungen und Erfahrungen mit den Einwohnern Vietnams, das er gemeinsam mit seiner Frau bereiste und wo 50% der Bevölkerung jünger als 15 Jahre ist. In der Stadt haben die Bewohner wenig Geld, auf dem Land sind sie sogar noch ärmer. Transportiert wird alles, egal wie groß oder sperrig, mit dem Pferd, dem Fahrrad oder dem Moped. 

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Trotz der insgesamt bescheidenen Lebensumstände, scheinen die Einheimischen glücklich zu sein. Boffa berichtete zum Beispiel von einem ausgelassenen Karaoke-Abend, an welchem er vietnamesische Lieder anstimmte, während sich die Einheimischen an englischen Liedern versuchten. Der buddhistische Glaube sei in diesem Land außerdem tief verankert, überall finde man Buddhas und Tempel. Natürlich erzählte Boffa auch vom Vietnam-Krieg. Selbst heute noch würden Menschen durch herumliegende Minen teils schwer verwundet. Tempel, die von Amerikanern zerstört wurden, werden außerdem wieder rekonstruiert. Dabei ist unklar, welche Materialien ursprünglich verwendet wurden, denn die nachgebauten Tempel sehen bereits nach wenigen Jahren schlechter aus als das Original. 

Nachdem Boffa und seine Frau etwas Zeit in Hanoi, der Hauptstadt Vietnams, verbracht hatten, reiste sie zurück nach Deutschland. Jetzt sei die Reise erst richtig lustig geworden, scherzte Boffa. Weiter ging es nach Kambodscha. In diesem Land gab es in den 70er Jahren einen schlimmen Bürgerkrieg, welche im Völkermord endete. Die Regierung brachte teilweise das eigene Volk in KZ-ähnlichen Einrichtungen um. Insgesamt habe es zwischen zwei und drei Millionen Tote gegeben. Noch immer könne man die Kleidung und die Knochen der Opfer auf Feldern finden. Neben der Geschichte des Landes, erzählte Boffa erneut von seinen Erfahrungen und Eindrücken. Auch hier ist die Schere zwischen arm und reich extrem groß, ähnlich wie in Vietnam. Die Kultur der beiden Länder unterscheide sich außerdem nicht sehr, es gebe ebenfalls unzählig viele buddhistische Tempel, von welchen manche sogar über einen Quadratkilometer groß seien.

Was sich die meisten Leute der westlichen Länder nicht als Nahrungsmittel vorstellen können, ist dort gang und gäbe. Es werden Insekten, frittiert oder gegart, als Snack zwischendurch gegessen. Auch gelten Hundefleisch oder Eier, darin noch nicht fertig entwickelte Küken, als Delikatessen. Wie ein Beweisfoto zeigt, hat Boffa die Insekten probiert und sie nicht mal schlecht gefunden, ein Küken oder Hundefleisch wollte er dann doch nicht essen. 

Sein weiterer Weg führte ihn nach Laos. Auch hier fanden kriegsähnliche Ereignisse statt. Obwohl sich das Land nie im Krieg befand, wurde es von den Amerikanern infolge des Vietnamkriegs von 1964 bis 1973 bombardiert. Durchschnittlich sei in diesen neun Jahren 24 Stunden lang alle acht Minuten eine Bombe abgeworfen worden. Die Bevölkerung des Landes leidet immer noch unter den Folgen und unentdeckten Blindgängern, nach Ende des Krieges sind tausende Menschen von ihnen schwer verletzt oder getötet worden. Doch die Einwohner hätten sich an das Leben mit den Bomben gewöhnt. Sie würden diese halbieren und Boote daraus machen, oder es entstehe daraus ein neuer Spielplatz für die Kinder. 

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Das nächste Reiseziel war Thailand. Ein starker Unterschied zu den Schönheitsidealen der westlichen Welt zeigt sich nicht nur durch das Streben nach möglichst heller Haut, sondern auch durch die sogenannten „Langhalsfrauen“. Im Kindesalter werden Mädchen nach und nach Metallringe um den Hals gelegt, die den Hals künstlich verlängern. Angeblich stützen die Ringe den Hals und den Kopf so sehr, dass die Halsmuskulatur geschwächt wird und die Frauen ohne den Schmuck einen Genickbruch erleiden könnten. Eine weitere Attraktion war das alljährliche Neujahrsfest des thailändischen Volkes, das Mitte April stattfindet. Aus dem Brauch der rituellen Waschungen ist eine regelrechte Wasserschlacht in den Städten entstanden. Den ganzen Tag bespritzen die Feiernden die Einheimischen und auch die Touristen mit Wasser. Sie warten auf ihren Wägen, bewaffnet mit Wasser und Eisblöcken, gerne an Ampeln, um Wartende zu überraschen. Kaum einer bleibt trocken. 

Zum Abschluss seiner Reise verbrachte Boffa noch fünf Wochen in Myanmar. Ihm persönlich habe es dort am besten gefallen, da die Leute am freundlichsten und zuvorkommenden gewesen seien. Das Land war einst eine englische Kolonie, immer noch gibt es englische Kolonialgebäude. Wie in allen der fünf Länder sei die Schere zwischen arm und reich extrem. Vor allem könne man dies an der neuen Hauptstadt Myanmars erkennen. Dort wurden riesige, mit Gold verzierte Paläste und Autobahnen mit acht Spuren auf jeder Seite errichtet, wobei es kaum Autos gibt, sondern vor allem Kutschen und Mopeds, die dann dort unterwegs sind. Im Gegensatz dazu leben die Menschen auf dem Land am Existenzminimum.

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In den fünf Monaten, in denen Wolfgang Boffa unterwegs war, habe er umgerechnet, durch günstige Übernachtungsmöglichkeiten und Minijobs, etwa 5000 € ausgegeben und wie auf jeder seiner Reisen zahlreiche Erfahrungen gewonnen. Mal wieder war das Publikum begeistert von den Erzählungen und folgte den über 400 aussagekräftigen und oft verblüffenden Fotos von seiner Reise mit großer Aufmerksamkeit. Dank der witzigen und publikumswirksamen Vortragsart vergingen die zweieinhalb Stunden wie im Fluge. 

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