Lauteratur – Timo Brunke

Timo Brunke Portrait David Graeter

Es gibt Veranstaltungen, bei denen man all die bedauert, die sie nicht miterleben können. Der Literatur-Kabarett-Abend am Rosenstein-Gymnasium Heubach mit Timo Brunke war so eine Veranstaltung.

Von Lisa Latussek

Timo Brunke unterhielt das begeisterte Publikum in der Aula mit einem  Querschnitt aus  „Orpheus downtown“. Er trug Effektstücke aus den vier Kapiteln Stadt und Ding, Stoff und Wort, Bild und Kunst und Sang und Klang vor. Der Wortkünstler und Performance-Poet, der in und von seinen Auftritten auf der Bühne lebt, bereicherte die deutsche Literatur, indem er Alltagsthemen aufgreift und jene durch Anklänge an die großen Dichtern wie Goethe und Brecht, aber auch Schwitters und Pastior, in Metrum und Rhythmus gebracht hat und vorträgt.  

Mit Balladen und lorriothaften Szenen riss der Schauspiel-Poet seine Zuhörer in einen Bann. Sein Vortrag, der in Sprache, Artikulation und Gestik aufeinander abgestimmt war, verwandelte banale Alltagsthemen wie den wöchentlichen Einkauf in einem Lebensmittelladen oder den Besuch in einem Kaufhaus zu spannenden Geschichten und somit nahm er sein Publikum auf eine fantastische Reise durch Geschichten und Alltagsituationen mit. Während einige Teile seines Auftrittes, wie beispielsweise „Ich erinnere mich gerne an die letztjährige Tage des skandinavischen Films“, intertextuelle Bezüge erforderten und somit vor allem für die ältere Generationen verständlicher waren, was an zahlreichen Lachern deutlich wurde, konnten sich die anwesenden Schüler mehr mit Nummern wie „MC Fat Kiss - Die Story meines Lifes“ identifizieren. Weitere Highlights waren die Gruselballade „In der Halle des Bergkönigs“, die sich musikalisch an dem gleichnamigen Stück von Edvard Grieg orientierte und „Der Anbau an der Villa Mommsen oder: Das Aupairmädchen“, welches von dem Aupairmädchen Evelyn handelt, das den Anbau der Villa Mommsen aus gutem Grund nicht betreten sollte, als es allein zuhause ist, und das letzten Endes von alten Möbeln und Gegenständen, die nicht mehr gebraucht werden, verschüttet wird. Was hier an Wortwitz, Lautmalerei und Klangreichtum der deutschen Sprache abgewonnen und zum Teil in irrwitzigem Tempo vorgetragen wurde, war eine schauspielerische und sprachspielerische Meisterleistung. Der unterhaltsame kurzweilige Abend endete mit dem Highlight aus dem Kapitel Sang und Klang „Das Maul-Tier sucht im Nebel seinen Weg“, indem er gekonnt drei Strophen von „Kennst du das Land…“ zuerst ganz klassisch vortrug, bevor er jede Strophe in Schwäbisch und  einer Kiezdeutsch-Version zum Besten gab. Wenn Timo Brunke Goethes „Mignon“ umdichtet in seine erste, seine eigentliche Muttersprache, ins Schwäbische nämlich, und parallel dazu die Sprache, die ihn täglich umgibt, ins Kiezdeutsch, dann ist da keine Überheblichkeit, kein Schau-mal-wie-doof-sind-die-denn, das die sonstige Adaptionen kennzeichnet von Erkan & Stefan bis Carolin Kebekus, sondern ein ehrliches Interesse an Austausch und gegenseitigem Lernen.Dass Sprache mehr als ihr Inhalt, das Sprache Form ist, Melodie und Rhythmus, all das bewies Timo Brunke an diesem Abend auf wundervolle Weise.

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