Vegetarismus: Müssen wir deshalb gleich ins Gras beißen?

Als das Rosenstein-Gymnasium vor rund 11 Jahren seine neue Aula bekam, wurden die SaRose-Vorträge  in ihr mit einem Vortrag von Udo Pollmer eröffnet. Jetzt war der Lebensmittelanalytiker nun bereits zum fünften Mal zu Gast, um unter dem Titel „Vegetarismus: Müssen wir deshalb gleich ins Gras beißen?“ zu referieren.

VORTRAG

Udo Pollmer

Der bekannte - und kontrovers diskutierte -Lebensmittelexperte Udo Pollmer besuchte wiederholt das Rosenstein-Gymnasium.

Von Maximilian Wanzek

Dabei sorgte er mit Witz, Ironie, sowie mit Stastiken untermauerten Beweisketten und guten Denkanstößen für zweieinhalb Stunden fröhliche und unterhaltsame Wissenschaft.

Nachdem der Schulvereinsvorsitzende Dr. Helmut Rössler seine kurze Begrüßung mit dem Hinweis auf Paul McCartneys Statement  „Wenn die Schlachthöfe Glaswände hätten, wären alle Menschen Vegetarier!“ die Brisanz  des Themas auf den Punkt brachte, übergab er das Wort an Udo Pollmer. Von der ersten Minute an zog der 59-jährige seine rund 130  Zuhörer in seinen Bann, egal ob jung oder alt. Seine Frage an das Publikum, warum man vegetarisch essen sollte oder nicht, lieferte dafür den Grundstein. Pollmer verstand sich darauf, sämtliche Argumente, die man meist in einer Diskussion gegen den Fleischkonsum hört, zu widerlegen und Gegenbeispiele anzuführen.

Kontroverse Reaktionen

Obwohl die Reaktionen im Publikum, wie unser Nachbericht schildert, eher zustimmend waren, erreichten die örtliche Presse nach Veröffentlichung der Artikel zwei Leserbriefe, die sich z.T. sehr kritisch mit den Thesen Udo Pollmers auseinandersetzten. Die Verantwortlichen vom Rosenstein-Gymnasium freuen sich über die Debatte. Wenn Sie Ihren Leserbrief auf dieser Seite veröffentlicht sehen wollen, kontaktieren Sie uns bitte. 

„In Indien, Sie kennen das: Dort sind Rinder heilig. Nun ja, wissen Sie was? Die Tiere leiden da am meisten“, sagte er. „Indische Vegetarier bitten die deutschen Vegetarier bereits um Hilfe, weil sie dort untergegangen sind!“ An anderer Stelle ironisierte Pollmer das Soja-Problem: „Soja würden einzig und allein angebaut, damit wir unseren Fleischhunger stillen können. Und dafür muss dann der Urwald abgeholzt werden.“ Sogar dem angeblich brutalen Mord und der Haltung von Hühnern und Schweinen konnte er etwas entgegensetzen: „Eine CO2-Betäubung sorgt dafür, dass die Tiere von ihrem Tod nichts mitkriegen“, beschrieb Pollmer ausführlich die Arbeitsschritte in einem deutschen Schlachthof.

Dem Heilbronner war allerdings vor allem daran gelegen, dass sein Publikum auf die, wie er es sagte, „Propagandamaschinerie und Heuchelei“ aufmerksam wird, die sich bei dem Thema Vegetarismus abspielt. Hierfür lieferte er ein Beispiel, bei dem er die Tiere aufzeigte, die für die Herstellung eines Früchte-Müslis sterben müssen: „Beim Obst müssen wir die Wühlmäuse ausschalten, für die Flocken ein paar Nagetiere. Aber das macht man mit Gift!“ Gerade dies erschien Pollmer und wohl auch den meisten Zuhörern äußerst scheinheilig, vor allem, wenn man dabei von Tierliebe spricht. „Das Schlachten von Bio-Schweinen ist natürlich viel besser“, sagte Pollmer ironisch. „Da kommt selbst dem Metzger alles hoch, wenn er kleine Ferkel  im Bauch der Sau mit umbringt...“ Der Vergleich zwischen dem realen Stall und dem „Propaganda-Stall“ einiger NGOs, die so ihre Spendenkasse auffüllen,  erregte auch einige Aufmerksamkeit: „Für den typischen Verbraucher ist der Stall natürlich ein schrecklicher Ort, in Wahrheit aber geht es den Kühen da hervorragend.“ Die Aussage „Kinder, esst bloß kein Fleisch, um Leben und Welt zu retten“, enthält nach Pollmers Einschätzung wenig Logik.

Während seines Vortrages legte der leidenschaftliche Ernährungsquerdenker das Augenmerk wiederholt auf einige Statistiken, die seinen Standpunkt untermauerten. Und diejenigen, die das nicht taten, wie die aktuell unter Veganern angepriesene China-Study, wusste Pollmer geschickt zu widerlegen. Er bewies darüber hinaus, dass der Viehbestand seit 1913 umgerechnet in Großvieheinheiten eigentlich drastisch zurückgegangen sei, obwohl die Bevölkerung sich vermehrt hatte. „Außerdem“, fuhr er fort „sind 60 % der Agrarflächen dieser Welt nur für Tiere zum Weiden geeignet.“ 

Um seinen Zuhörern das Verständnis der Vegetarier und Veganer noch genauer zu schildern, teilte er diese in bestimmte Klassen ein. Da sind zum Einen die Religions-Vegetarier, wie zum Beispiel die Hindus, die kein Rind essen und zum anderen die sogenannten Gesundheits-Vegetarier. Hier entlockte Pollmer seinen Zuhörern ein Lachen, indem er sagte: „Da gilt der Grundsatz: Du sollst jedweden Blödsinn glauben...“

Pollmer verstand sich gut darauf, den Vegetarismus mit drastischen kabarettreichen Vergleichen derartig ins Lächerliche zu ziehen, dass die übervolle  Aula des Heubacher Gymnasiums gar nicht anders konnte als zu lachen. „Ich war als Student in München auch Teilzeitveganer“, meinte er. „Da hab ich mir im Biergarten eine Maß, eine Brezel und ein bisschen Rettich bestellt. Hauptsächlich deswegen, weil ich kein Geld hatte. Deswegen fordere ich im Interesse der veganen Ernährung mehr Biergärten.“ Einschübe wie der Begriff der „Massenmenschenhaltung“ und ein Bild von der Enge der Wohnverschläge, in denen Menschen hausen, zeigten auch ihre Wirkung. „Kennen Sie die Wasserspartasten in den Toiletten?“, fragte Pollmer das Publikum. „Das ist nichts weiter als ein Intelligenztest an der Wand.“ Und egal, ob er nun einen Witz über einen Kuhstall machte, in dem laut ihm eine Milliarde Menschen aus Entwicklungsländern gerne leben würden, die Vegetarier mit den Zeugen Jehovas verglich oder die Leute anspornte, den Planeten zu retten und zwar vor der Dummheit des Vegetarismus – das Publikum ging vollkommen darauf ein. In der Diskussion wurde seiner Ess-Ideologiekritik weitgehend zugestimmt.

Schließlich gelangte Udo Pollmer am Ende seiner Beurteilung des Vegetarismus, beziehungsweise des Veganismus zu einem bedenkenswerten Urteil. Das Fazit, welches er zog, lautete  ziemlich deutlich: „Der Veganismus ist eine Ernährungsart für die verwöhnten Töchter und Söhne einer Wohlfahrtsgesellschaft.“ Charakteristisch passender schien allerdings sein allerletzter Satz: „Vergessen Sie nicht, der Teufel scheißt auf den größten Haufen – und davon isst man nicht.“  Wer dem Lebensmittelanalytiker Udo Pollmer aufmerksam zugehört hat und die ungewöhnlichen, aber überzeugend vorgetragenen Zusammenhänge nachvollzieht,  ist von ihm nicht nur absolut begeistert. Vielmehr sind es die häufig perfekt zutreffende Analyse der Dinge und die Denkanstöße, die sein Publikum zum Nachdenken bringen, nicht zuletzt über die Verflochtenheit von Ackerbau und Viehhaltung in unserer konventionellen Landwirtschaft.

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