Auf den Spuren der Inkas

Zum zehnten Mal konnte Dr. Helmut Rössler als Vorsitzender des Schulvereins SaRose Prof. Dr. Lothar Rother in der Aula des Rosenstein-Gymnasiums begrüßen. Dieses Mal verlockte der Geographie-Professor die vielen Eltern, Schüler, Lehrer und Interessierten in die südamerikanische Welt abzutauchen und sich auf die Spuren der Inkas zu begeben.

VORTRAG

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Prof. Dr. Lothar Rother informierte über die Spuren der Inkas in Peru und Bolivien.

Von Theresa Bäuml

Der sehr umfangreiche Vortrag mit seinen faszinierenden Bildern stand unter der Leitfrage, warum menschliche Gesellschaften in verschiedenen Teilen der Welt so unterschiedliche Entwicklungen durchlaufen haben, wie sie sich bei der ersten „Begegnung“ von Europäern und Bewohnern Amerikas im 16.Jahrhundert offenbarten. Wie konnten damals Francisco Pizarro und seine nur etwa 170 Kampfgefährten ein Heer von 80 000 Inkas fast mühelos besiegen, den Inkaherrscher Atahualpa gefangen nehmen und später ermorden lassen? Warum hatte die Hochkultur der Inka den spanischen Konquistadoren so wenig Widerstand entgegen zu setzen?

Mit diesen Ereignissen in Cajamarca im Jahre 1532 endete die eigenständige indigene Entwicklung der bis dahin blühenden Inka-Hochkultur, die uns bis heute zum Staunen bringt. So hatten die Inkaherrscher schon damals nur mit menschlicher Muskelkraft  Straßen mit einer Länge von mehr als 20 000 km gebaut. Um die große Bevölkerung des Reiches zu versorgen, wurden das Hochland und die Täler der Anden intensiv für den Anbau von Mais, Kartoffeln, Quinoa und anderen Kulturpflanzen genutzt und selbst steilste Hänge durch kunstvolle Terrassen und ausgeklügelte Bewässerungssysteme erschlossen. Als Haustiere hielten sie Lamas, Alpakas und Meerschweinchen, letztere hauptsächlich zum Verzehr.

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Die mythische Urheimat der Inka lag im Gebiet um den Titicaca-See in fast 4000 Metern Höhe. Alte Legenden berichten, dass sie von hier aus ein riesiges Territorium eroberten. Noch heute trifft man im bolivianischen Tiwanaco auf die Relikte eines uralten Zeremonial-Zentrums, das die Inka von der Vorgängerkultur der Aymara übernommen und weiter ausgebaut hatten. Die dortigen Ausgrabungen zeugen von erstaunlichen architektonischen, astronomischen und mathematischen Kenntnissen und lassen auf ein hochentwickeltes spirituelles und religiöses System schließen. 

Hauptstadt, Mittelpunkt des Reiches und der „Nabel der Welt“ war für die Inka die von ihnen mit Tempeln und Palästen prächtig ausgestattete Stadt Cuzco. Sie hat bis heute viele Bezüge zur Vergangenheit bewahrt, was im Vortrag anhand von Beispielen anschaulich demonstriert wurde. Noch deutlicher sind die umfassenden Fähigkeiten der Inka in der geheimnisvollen Ruinenstadt Machu Picchu zu erkennen, deren ehemalige Bedeutung bis heute nicht endgültig geklärt werden konnte. All diese zivilisatorischen und kulturellen Zeichen eines hochentwickelten Staatswesens lassen somit erneut die Frage nach der Unterlegenheit gegenüber den spanischen Eroberern aufkommen. 

In Anlehnung an die Thesen des amerikanischen Erfolgsautors Jared Diamond wurden im Vortrag naheliegende und grundlegende Ursachen der Entwicklungsunterschiede erläutert. Zur ersten Gruppe zählen auf Seiten der Europäer zum Beispiel der Besitz von Waffen und Rüstungen aus Stahl, die größere militärische Erfahrung, die den Inka vollkommen unbekannten Pferde, die Schrift und vor allem die eingeschleppten epidemischen Krankheiten, denen nach neueren Forschungen allein über 90 Prozent der indigenen Bevölkerung Amerikas zum Opfer fielen. 

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Die eigentlichen Ursachen der eurasiatischen Überlegenheit liegen jedoch nach Diamond  in den drastischen Gegensätzen der naturräumlichen Ausstattung der Kontinente begründet. Die unterschiedliche Verfügbarkeit domestizierbarer Pflanzen- und Tierarten zu Beginn der Sesshaftigkeit vor über 10 000 Jahren  begünstigte die Gesellschaften der Alten Welt ebenso wie das Fehlen kontinentaler, ökologischer Barrieren bei der Ausbreitung von landwirtschaftlichen, zivilisatorischen und kulturellen Innovationen. Dies verschaffte Eurasien einen viele Jahrtausende umfassenden, uneinholbaren Entwicklungsvorsprung, der letztlich auch für die Überlegenheit der Spanier beim Eintreffen in der Neuen Welt Amerikas entscheidend war.

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