Viel Rummel um Erwin Rommel und Georg Elser

Zuschauer aller Altersgruppen waren anwesend: interessierte Schüler, deren Eltern, aber auch solche, die den Krieg noch mit eigenen Augen sahen, und miterlebten, was ein Mann namens Adolf Hitler anrichtete. Thema des vom Schulverein SaRose organisierten Vortrages waren zwei Figuren, die seit einiger Zeit im Rampenlicht der Forschung stehen: Der Widerstandskämpfer Georg Elser und Erwin Rommel, der „Wüstenfuchs“.

VORTRAG

Zu Gast am Rosenstein-Gymnasium - die Historiker Manfred Maier und Wolfgang Proske

Zu Gast am Rosenstein-Gymnasium – die Historiker Manfred Maier und Wolfgang Proske.

Von Steffen Feierfeil

Rommel – fast jeder kennt diesen Namen. Viele verbinden mit ihm einen großen Strategen, einen Volksheld, einen "guten“ Wehrmachtssoldaten. Doch wie war Rommel wirklich? Der Historiker Wolfgang Proske ging in seinem Vortrag "Viel Rummel um Rommel" auf Tatsachen aber auch Mythen und einige eher unbekannte oder verdrängte Perspektiven auf Rommel ein. Im Gegensatz dazu stand der Vortrag Manfred Maier über den Hitler-Attentäter Georg Elser. Vor nicht allzu langer Zeit war dieser Name völlig unbekannt, als der Georg-Elser-Arbeitskreis in Herbrechtingen, der langjährigen Lebensstätte Elsers, es sich zum Ziel setzte, den Widerstandskämpfer ins Gedächtnis der Menschen zu rufen. 

Mit diesem Mann begann auch die Präsentation des Heidenheimer Historikers Manfred Maier. Er spielte Ausschnitte aus Hitlers Reden ab, solche Hasspredigten, wie er sie auch am 9. November 1923 im Bürgerbräukeller in München hielt. Georg Elser kam aus einer gering verdienenden Familie, gehörte zur Arbeiterklasse. Maier erzählt, Elser habe schon zuvor stets für seine Meinung eingestanden, auch wenn das für ihn den Verlust eines Arbeitsplatzes bedeutete. Elser arbeitete in einer Fabrik, die unter anderem auch für die Rüstungsindustrie produzierte. Nachdem die Produktion auf diesem Sektor so drastisch stieg, wurde Elser eines klar: unter Hitler kommt es zum Krieg. Wie er auch später als Grund für seine Tat angibt, wollte er "den Krieg verhindern". Dieser Beschluss und was Elser alles opferte, riskierte und schließlich auch verlor, um sein Ziel durchzusetzen, macht ihn zu einer bemerkenswerten Person. Maier betonte insbesondere die Zivilcourage eines jeden Einzelnen, die an Bedeutung auch heute, mehr als 65 Jahre nach dem Krieg, nichts verloren hat. Elsers Tat stelle den Gegenbeweis zu der von vielen nach dem Krieg bis heute genutzten Ausrede, man könne gegen Hitler sowieso nichts machen, dar. 

Manfred Maier spricht vor ca. 80 Zuhörern über Georg Elser

Ein weiterer Attentatsversuch auf Hitler war die „Operation Walküre“, am 20. Juli 1944. In Filmen und Quellen wird in diesem Zusammenhang auch Erwin Rommel, Generalfeldmarschall und durch die NS-Propaganda hochgejubelter Kriegsheld, genannt. Noch heute dauert dieser Glaube an einen "guten Rommel" an. Wolfgang Proske brach mit seinem Vortrag diesen Glauben. Proske begann ebenfalls mit einer kurzen Vorgeschichte, in der Rommel als Liebling Hitlers eine rasante Kariere in der Wehrmacht bis ganz nach oben hinlegte. Rommel sei durchaus ein glühender Anhänger und Bewunderer Hitlers gewesen, was aus Briefen belegt sei. Besonders hob Proske Rommels Zeit in Nordafrika hervor, wo er durchaus mit dort begangenen Kriegsverbrechen in Verbindung stand oder diese zumindest nicht verhinderte. Erteilte Befehle von Rommel lassen auf eine sehr offene Einstellung Rommels zu Kriegsverbrechen vermuten, so erklärt er beispielsweise deutlich, dass die italienischen "Verräter" mit Missachtung und ohne Hemmungen zu behandeln sind.

Wolfgang Proske sieht Erwin Rommel in kritischem Licht

Der vermeintliche Kontakt zum Widerstand ist eines der größten Rätsel um Rommel. Proske beschrieb objektiv alle Sichtweisen auf die Situation, machte jedoch klar deutlich, dass er der Meinung ist, Rommel habe nichts mit dem Attentat zu tun beziehungsweise dieses abgelehnt. Dass Rommel trotz seiner bewiesenen nationalsozialistischen Zugehörigkeit eine von positiven Bildern geprägte Berühmtheit erlangte, sei noch immer eine Nachwirkung der NS-Propaganda, stellte Proske klar. Die Briten führten die Legende des "Wüstenfuchs" weiter, um ihre Leistung im Krieg zu heben, Soldaten, die in Afrika kämpften wollten ebenfalls durch Rommel ihr Ansehen verbessern. Die Verbindung Rommels mit dem Widerstand machte ihn auch in Hollywood-Filmen zum Helden.

Abschließend wies Proske auf eine Dokumentation hin, die am 1. November 2012 im ersten Programm erstmals ausgestrahlt wird und die Rommel ohne Beschönigungen zeigt. Bei Nachfahren und Historikern sorgte der Film bereits vor seiner Ausstrahlung für erbitterte Diskussionen.

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