Theater: Aus dem Leben eines Taugenichts

Bericht aus der Gmünder Tagespost vom 15.10.2012:

Ein Taugenichts sucht das Glück

Die Aula des Rosenstein-Gymnasiums ist in lilafarbenes Licht getaucht. Nichts erinnert mehr an den eigentlichen Aufenthaltsraum. Der große Raum ist fast leer, nur ein reifenloses, altes Auto steht in der Mitte. Dieses alte Auto ist die Kulisse für die Theatergruppe „Vor dem Theater“, die dort ihr neustes Werk, eine Interpretation der eichendorffschen Novelle „Taugenichts“ präsentieren.

THEATER

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Im Stile eines Road-Movies erzählen die fünf Schauspieler, darunter auch Ex-Schüler Lukas Aue, die moderne Variante dieser turbulenten Aussteigernovelle.

Eichendorff zeichnet ein erfrischendes Bild eines jungen Menschen mit all seinen Leidenschaften und Idealen. Auf humorvolle und ironische Weise schreibt er über diese stürmische Lebensphase und kommt zu dem zuversichtlichen Resümee: Kreativität und Mut der Jugendlichen macht gesellschaftliche Entwicklung überhaupt erst möglich. Der Taugenichts stürzt sich ins Leben, befreit sich von sämtlichen Konventionen, dem Spießbürgertum, der Nützlichkeit der Dinge und erobert sich seine eigene poetische Welt.

Mit rund 100 Gästen, darunter auch viele interessierte Schüler, ging es auf die spannende Wanderschaft des Freigeistes durch das Leben auf der ständigen Suche nach Glück.

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Diese Geschichte wurde mit viel Ernsthaftigkeit, aber auchmit der richtigen Prise Humor und unter vollem Körpereinsatz erzählt. Die gewohnte Erzählung und stellenweise die bloße Lesung der Novelle wurden gemischt mit völlig verfremdeten Passagen mit Akrobatik, Musik und Tanz.

Bei diesem Stück stand nicht die Handlung im Vordergrund, vielmehr sollte die pure, romantische Lebenseinstellung den Zuschauer mitreißen. Auf dem „Highway“ wollten die fünf Schauspieler die verträumte Denkweise entgegen aller Normen und Werte vermitteln. Ganz „normal“ in Jeans und T-Shirt standen sie vor dem Publikum und überzeugten nicht mit Kostümen oder technischen Showeffekten, sondern durch Gesang, Beatboxing und ihre akrobatischen Einlagen. Die Gruppe musizierte, tanzte wild durcheinander, kletterte aufs Autodach, ins Auto mit einer Leichtigkeit, die sich genau in diesem Bild wiederspiegelt. Zwischendurch erhielten die Zuschauer Basisinformationen zur Novelle und der ursprüngliche Text wurde vorgelesen. Mit zahlreichen Liedern, die aus der Novelle direkt übernommen wurden, führte die Theatergruppe immer wieder zum eigentlichen Stück zurück.

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Dieser Mix aus Konventionellem und Ungewöhnlichem beeindruckte das Publikum, sodass am Ende nur noch kräftiger Applaus zu hören war. Um die Schlusszeilen des Stücks noch einmal aufzugreifen, fast ein Happy End wie es im Buche steht. „Und dann war alles gut!“

© Gmünder Tagespost 15.10.2012

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