„Erziehung“ in der DDR: Ein Zeitzeuge berichtet

40 Gäste warteten gespannt auf die Sarose-Veranstaltung, in der Stefan Lauter über seine Zeit in den Jugendwerkhöfen der DDR berichtete. Lauter ist in Ostberlin aufgewachsen. 

Von Markus Heilig

VORTRAG

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Stefan Lauter berichtete über seine Zeit in den Jugendwerkhöfen der DDR.

Er war immer ein sehr guter Schüler, doch durch ein Mädchen, welches er sehr gemocht hat, gelangte er in die evangelische Gemeinde. Dort traf er sich, was der SED gar nicht gepasst hat, mit Andersdenkenden. Nun wurde er immer neugieriger. Und als er einmal seinen Lehrer zur Rede stellen wollte, antwortete dieser ihm nicht, sondern schickte ihn zu Rektor. Die Situation spitze sich zu, nun traf er sich auch noch nachmittags mit der Punk-Szene am Fernsehturm in Berlin. Als er zu seiner Abschlussfeier dann vor allen Leuten aus der SED austrat, schickte ihn seine Mutter zur Jugendfürsorge. Von da an war er nun in staatlicher Hand, wo er zu einer sozialistischen Persönlichkeit umerzogen werden sollte. Doch anstatt in die verhoffte Klinik zu kommen, kam er in das Jugendgefängnis Thorgau. Damals war er 17 Jahre alt. Nun schilderte er in aller Ausführlichkeit sein halbes Höllenjahr im diesem Kinderknast. Nur durch seine Volljährigkeit, wurde er schließlich physisch und psychisch geschädigt entlassen. Bis heute hat er noch nicht diese Erlebnisse verarbeitet, aber seine Vorträge helfen ihm da bei, die Grausamkeiten, den militärisch gedrillten „Qualsport“ aufzuarbeiten. Durch eben diesen Sport wurden seine Knie so geschädigt, dass er nie voll arbeitsfähig war. Er hat aber sein Abitur nachgeholt und auch Wirtschaftswissenschaften studiert. Stefan Lauter wurde damals mit 80 kg in den Jugendwerkhof in Thorgau eingeliefert und hat diesen mit 63 kg verlassen.

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DDR-Zeitzeuge Stefan Lauter berichtet

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