Bittere Schokolade

Nikoläuse aus Schokolade, Pralinen, alle möglichen Arten an Plätzchen, Lebkuchen – die Weihnachtszeit, das Fest der Liebe, ist ohne Schokolade kaum denkbar. Da sind die neuesten Studien über Kindersklaven im größten Kakaoproduzenten der Welt, der Elfenbeinküste, umso erschreckender.

VORTRAG

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Antonia Gangl, Marian Balle und Wolfgang Hönle informierten über die problematischen Bedingungen der Schokoladeherstellung.

Von Laura Rodriguez Knödler

Unglaubliche acht Kilo der dunklen Süßigkeit verschlingt ein Durchschnittsdeutscher im Jahr. Gerade einmal ein Prozent davon sind fair gehandelt, also unter transparenten, respektvollen und menschenwürdigen Bedingungen hergestellt worden. Über die genauen Umstände dieser Art des Handels, über Vorteile und mögliche Kritik an Organisationen wie GEPA und TransFair, darüber informierten Wolfgang Hönle und zwei seiner Schüler. Antonia Gangl und Marian Balle, die beide die Jahrgangstufe 2 des Rosenstein-​Gymnasiums Heubach besuchen, haben im vergangenen Jahr im Rahmen des Religionsunterrichts über fairen Handel recherchiert und ihre Ergebnisse erneut präsentiert.

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Sie machten einen klaren Vorteil dessen deutlich: Während beim konventionellen Anbau der Kakaoproduzent nur drei Prozent des Endpreises bekommt, ist der Anteil bei Fair Trade zehnmal so hoch. Grundsätzlich ist dieser Handel aber nicht mit biologischem Anbau gleichzusetzen. Das Fair Trade-​Zeichen ist ein Sozialsiegel und bewertet nicht die umwelttechnischen Aspekte. Trotzdem erfordert dieser oft benutzte Begriff des fairen Handels ganz bestimmte Standards, wie beispielsweise das Verbot von Kinderarbeit, den Direkteinkauf beim Produzenten, das Streben nach langfristigen Beziehungen sowie das Befolgen einer Liste mit verbotenen Substanzen, die bei der Produktion nicht verwendet werden dürfen.

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Wie wichtig solche Bedingungen sind, zeigte Wolfgang Hönle am Beispiel der Elfenbeinküste, in der sich solche Regelungen nicht überall durchgesetzt haben. Der westafrikanische Staat produziert 40 Prozent der weltweit nachgefragten Kakaobohnen und ist damit Marktführer. Die Arbeit für die 600 000 Kindersklaven ist bei weitem nicht ungefährlich, denn das Öffnen der Bohnen führt häufig zu schweren Verletzungen, die eingesetzten Pestizide zu Migräne und auch Rückenleiden sind keine Seltenheit unter den ivorischen Schokobauern.

Wolfgang Hönle sieht darin eine „versteckte Form des Kolonialismus“. Wenn man bedenkt, dass die große Mehrheit der Kindersklaven auf den Plantagen selbst noch nie Schokolade probiert haben, wird einem das Ausmaß des Elends klar, mit dem der Konsum in den reichen Ländern dieser Welt erst möglich wird. Da ist es beruhigend, dass der Umsatz von Fair Trade-​Produkten seit 2002 um das Achtfache gestiegen ist.

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Fairer Handel, nicht nur von Schokolade, sondern auch von Kaffee und Tee, bekommt also immer mehr Aufmerksamkeit. So setzt die amerikanische Kaffeehauskette Starbucks bei ihrer Werbestrategie gezielt auf Kaffee aus fairer Produktion und trägt damit dazu bei, dass das Siegel sein Elendimage abgelegt hat und inzwischen als Lifestyle-​Produkt gilt. Und auch städtische Verwaltungen und diverse kirchliche Einrichtungen bieten nur noch fair gehandelten Kaffee an. Auch das Rosenstein-​Gymnasium hat die Problematik der „bitteren Schokolade“ aus unhaltbaren Produktionsverhältnissen erkannt und wird die traditionellen Nutellabrote am Nikolaustag durch Stullen mit Nussnougatcreme aus fairem Anbau ersetzen.

Die faire Nutella und andere leckere Produkte aus aller Welt kann man auch im Eine Welt-​Laden in Heubach erwerben, der an einem Sonntag im Monat ab 11.50 Uhr geöffnet hat. Organisiert wird er von Gertrud Kolbe-​Lippe im Jugend– und Begegnungshaus in Heubach. Der Erlös geht komplett an TransFair, die sich für fairen Handel in Südamerika, Afrika und Asien einsetzen. Überschüsse werden an ein Dorfentwicklungsprojekt im indischen Deepam gespendet.

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