Beethoven und Thomas Mann

Der himmelblaue Abschied von der Sonate: Eine faszinierende Symbiose von Beethoven und Thomas Manns Jahrhundertroman „Doktor Faustus“ gab es in einer SaRose-Veranstaltung am Rosenstein-Gymnasium zu erleben.

KONZERT MIT EINFÜHRUNG

Beethovens letzte Klaviersonate gilt für die Pianisten als große Herausforderung. Mit ihr haben sich Musikwissenschaftler, Künstler und Philosophen immer wieder beschäftigt. Insbesondere durch Thomas Manns humorvolle wie tiefgründige Auseinandersetzung mit diesem Werk in seinem „Doktor Faustus“ ist die Klaviersonate in die Literaturgeschichte eingegangen. Der Musiklehrer am Heubacher Gymnasium und Pianist Florian Strasser brachte dieses anspruchsvolle Werk zu Gehör. Umrahmt wurde der musikalische Vortrag von einer Einführung in den „Doktor Faustus“, durchgeführt vom Deutschlehrer und Theatermann des Rosenstein-Gymnasiums Dieter Hahn. Die etwa 50 Zuhörer waren begeistert und belohnten Vortrag und Klavierkonzert mit langem Applaus und stehenden Ovationen.

Von Juliane Aich und Lisa Becke

Rund 70 Besucher aus Heubach und Umgebung fanden den Weg in die Aula des Rosenstein-Gymnasiums, um an einer der zahlreichen Veranstaltungen des Schulvereins SaRose teilzuhaben. Diesmal auf dem Programm: Thomas Mann und seine Beschäftigung mit Beethovens letzter Sonate in seinem Roman „Doktor Faustus“. 

Die musikalisch-theatralische Kooperation des Deutschlehrers und Theatermannes Dieter Hahn mit Florian Strasser, dem Musiklehrer und Klaviervirtuosen, brachte eine gelungene Mischung aus Literatur und romantischer Musik: Dieter Hahn gab Einblicke in das Werk „Doktor Faustus“ von Thomas Mann, der sich in diesem 1947 erschienen Werk unter anderem mit der letzten Klaviersonate Beethovens, opus 111, beschäftigt. Thomas Mann setzte der Sonate im „Doktor Faustus“ ein Denkmal, sie erlangte vor allem durch diese genaue Behandlung im Roman große Bekanntheit. „Der Mann war imstande, eine ganze Stunde der Frage zu widmen, warum Beethoven zu der Klaviersonate opus 111 keinen dritten Satz geschrieben habe –  ein besprechenswerter Gegenstand, ohne Zweifel“, charakterisierte Dieter Hahn den Schriftsteller Thomas Mann mit einem Augenzwinkern.

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Dieter Hahn führte in den "Doktor Faustus" ein...

In dem Roman besucht der Hauptdarsteller und Komponist Adrian Leverkühn eine Musikvorlesung, in welcher der teils stotternde Professor Beethovens besagte Sonate in c-moll behandelt. Der Roman wird als Versuch gesehen, Musik mit Sprache wiederzugeben und genau dies versucht auch der Musikprofessor in seiner Vorlesung. Er beschreibt das Hauptmotiv des zweiten Satzes der Sonate als „drei Töne nur, eine Achtel-, eine Sechzehntel- und eine punktierte Viertelnote, nicht anders skandiert als etwa: Him-melsblau oder: Lie-besleid oder: Leb‘-mir wohl“. Opus 111 ist den Studenten im Roman – wie wohl auch den meisten realen Zuschauern in der Aula –  „bis dato ganz unbekannt“, doch „lernten [sie diese] durch die Veranstaltung eben kennen“. So fragte der Professor die Studenten nicht, ob sie seine musiktheoretischen Ausführungen verstanden und auch sie selbst fragten sich nicht danach. „Wenn er meinte, die Hauptsache sei, daß wir es hörten, so teilten wir vollkommen diese Ansicht.“

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... und Florian Strasser begeisterte das Publikum mit Beethovens letzter Sonate.

Und zu hören bekommen die Zuschauer in der Aula Beethovens letzte Sonate nun wirklich, als Florian Strasser am Flügel sein pianistisches Können zum Besten gibt. So zucken manche bei den „grimmig auffahrenden Anfangsakzenten des ersten Satzes“, wie sie auch von Thomas Mann in seinem Roman beschrieben werden, regelrecht zusammen. Und auch das durch Sprache beschriebene Motiv des „Him-melsblau“ kann nun rein musikalisch genossen werden. Am Ende des zweiten und letzten Satzes wird das Motiv mit Abwandlung aufgegriffen, Dieter Hahn liest jetzt nicht mehr „Him-melsblau“ sondern „Oh – du Himmelsblau“. Durch diesen versöhnlichen Ausklang der Sonate liefert Thomas Mann eine Erklärung für das Fehlen eines dritten Satzes: „Wir hätten, sagte er, das Stück nur zu hören brauchen, um uns die Frage selbst beantworten zu können. Ein dritter Satz? Ein neues Anheben – nach diesem Abschied? Ein Wiederkommen – nach dieser Trennung? Unmöglich!“

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