Kann ich ich sein? Identitäszeichen in “La casa de Bernarda Alba”

“Das Ziel des Lebens ist Selbstentfaltung. Seine eigene Natur zu verwirklichen – dafür ist jeder von uns da.“

Mit diesem Zitat von Oscar Wilde beendete Dr. Stefan Wasserbäch seinen interessanten Vortrag über die Identitätszeichen im Drama „La casa de Bernarda Alba“ von Federico Gracía Lorca. Auf Einladung der Spanisch-lehrerin Eva Jünemann gestaltete Dr. Wasserbäch vom Ostalb-Gymnasium Bopfingen einen SaRose-Abend am Rosenstein-Gymnasium Heubach und er fesselte seine rund 30 Zuhörer mit seiner mitreißenden Sprache.

Von Lea Zeidler

Wasserbäch

Zunächst definierte der Referent den Begriff „Identität“ (lat. idem = dasselbe)  mit den zwei Fragen „Wer bin ich?“ und „Wo ist mein Platz in der Gesellschaft?“ Mit der Identität seien Herkunft, Heimat und Kultur eng verbunden.

Bevor er zur Personenkonstellation des Dramas überging, gab Herr Wasserbäch seinem Publikum einige nähere Informationen zum Autor dieses Meisterwerks. Federico García Lorca gehörte im 20. Jahrhundert als Dramatiker, Dichter, Regisseur, Sänger und Maler zu den berühmtesten Literaten Spaniens. Er war homosexueller Sozialist, weshalb es für ihn schwer war, in der gesamten Gesellschaft Anerkennung zu erlangen. In seinen Werken – wie auch im Drama „La casa de Bernarda Alba“ – ist deswegen hauptsächlich die Rede von Frauen, die in der Gesellschaft ebenfalls benachteiligt waren. Im Jahre  1936, zu Beginn des spanischen Bürgerkriegs, wurde Lorca durch spanische Faschisten verhaftet und schließlich auch ermordet..

In seinem symbolischen Drama verwendete Lorca eine einfache, aber zugleich elegante, poetische Sprache. Die Hauptpersonen des Dramas sind Bernarda und ihre fünf Tücher. Nach dem Tod ihres zweiten Ehemanns schließt Bernarda sich und ihre fünf Töchter zu Hause ein und verordnet eine achtjährige Trauerzeit. Die verwitwete Frau macht ihr Haus zu einem Gefängnis. Die Töchter, deren Wörter begrenzt sind, sind dabei ihre stummen Gefangenen. Durch den Stock, mit dem Bernarda im Theaterstück auftritt, wird ihr Führungsanspruch deutlich. Außerdem teilte ihr García Lorca häufig Imperativformen zu, wodurch ihr tyrannischer Charakter ans Licht kommt. Mit ihren Töchtern ist Bernarda sehr streng, was sich in dem häufig verwendeten Wort „Silencio!“ (Ruhe!) zeigt.

Durch die Isolation von der Außenwelt kommt es zum dramatischen Konflikt des Dramas. Die jüngste Tochter Adela geht ihrem starken Freiheitswillen nach und wehrt sich gegen die vorgeschriebene Ordnung ihrer Mutter. Heimlich trifft sie sich mit ihrem Geliebten, Pepe El Romano. Dieser plant jedoch eine Hochzeit mit der ältesten Tochter Angustias, um an ihr Geld zu kommen. Martirio, die vierte Tochter, ist ebenfalls in Pepe verliebt, weshalb sie eifersüchtig auf ihre zwei Schwestern ist. Als die Mutter von der heimlichen Beziehung zwischen Adela und Pepe hört, versucht sie, auf ihn zu schießen. Im Glauben, er sei tot, erhängt sich Adela. Dabei begeht sie einen Doppelmord, da ihr ungeborenes Kind somit ebenfalls stirbt. Der Versuch sich der Mutter zu widersetzen, ist also gescheitert und die alte Ordnung bleibt bestehen.

Während des Stücks wird deutlich, dass die Individualität im Haus von Bernarda kompromisslos ist. Die Suche nach der persönlichen Identität wird entweder mit dem Wahnsinn –wie bei der Großmutter- oder mit dem Freitod –wie bei Adela- bestraft. Am Ende des Vortrags blieb für die interessierten Zuhörer noch Zeit für Fragen und Frau Jünemann konnte sich im Namen des Publikums für den gelungenen Vortrag bedanken.

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