Aus der Provinz in die weite Welt: Wolfgang Boffa im Portrait

Große Freiheitsmomente in der nordischen Natur Grönlands, Norwegens und Islands. Ein bewaffneter Überfall in Syrien. Harte Feldarbeit in Afrika. Mit KO-Tropfen betäubt und beraubt in Ecuador. Eine Speikobraattacke in Namibia überlebt. Intensive Glücksgefühle nach anstrengenden Pilgertouren in Südeuropa. Wolfgang Boffa erzählte schon oft bei SaRose von seinen Reisen.

Von Jule Weidenbacher

Mit seinem dunklen, lockigen Haar, mittlerweile ergrautem Vollbart und seinem offenen Lächeln erzählt der Weltenbummler Wolfgang Boffa aus Bartholomä leidenschaftlich von seinen zahlreichen Reisen in die nun bereits 118 Länder der Erde. Sein Lebensziel ist es, noch die ganze Welt zu bereisen. 

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Die Idee zu dieser Reisekarriere entstand aus einer simplen Bierlaune heraus, da war er 19 und hat gerade seinen Wehrdienst abgeleistet. Bereits als junger Mann reiste ‚Boffa’, mittlerweile eine Art ‚Markenname’, unter dem er den meisten Leuten bekannt ist, mit ein paar Bekannten nach Jugoslawien, Ostanatolien und Ägypten. Er trampte durch Europa in die Türkei, nach Syrien und dann nach Rom. Früher sei das Trampen viel leichter gewesen, heute schon fast unmöglich und viel zu gefährlich. Ansonsten geht er, sofern möglich, alles zu Fuß. Seine Hochzeitsreise im Jahre 1990, die bisher längste Reise seines Lebens, führte ihn und seine Frau Marlies sowie vier weitere Freunde auf eine 18- monatige Welterkundung bis ans andere Ende der Welt. Zurück im Dorf am Rande des Himmels beschloss Wolfgang jedoch sesshaft zu werden und baute sein eigenes Haus, gründete eine Familie und zog die beiden Söhne groß. Doch der Drang nach Abenteuer und Reiselust wurde immer größer. Das Reisen sei „wie eine Sucht“, jedoch kehrt er immer wieder gern in seine Heimat zurück. „Ich will die Menschen auf der Welt verstehen und wie die Einheimischen in ihrem Land für eine gewisse Zeit leben.“ So kann man am besten Land und Leute, deren Kultur und Denkweisen kennenlernen. Er versucht sich dabei an die Einwohner anzupassen. Anstatt in teure Restaurants oder Hotels zu gehen, wo hauptsächlich Touristen sind, geht Boffa lieber dort essen und schlafen, wo die Landsleute auch sind, denn dann spart er wiederum Geld. So logiert er, wie auf seinen Pilgerreisen, bei denen er z.B. über 2000 km nach Frankreich-Spanien oder in Italien zu Fuß wanderte, bei Fremden, in Hütten, Klöstern, privat, im Auto oder in günstigen Pilgerherbergen. Oft reist er auch mit seinem Wohnmobil mit weiteren Mitreisenden, um sich die Kosten für den Sprit zu teilen. Am beeindruckendsten war für ihn zu sehen „wie sehr sich die Sitten, die Landschaften und die Menschen selbst von Land zu Land verändern.“ Die Kommunikation spielt für Boffa eine sehr wichtige Rolle. Oft verbringt er den Tag an einem öffentlichen Platz, um nach einer Unterkunft zu fragen und sich mit den Menschen über Gott und die Welt zu unterhalten. Der Bartholomäer findet immer eine Möglichkeit, wie er sich mit den anderen Leuten vor Ort verständigt. Neben Englisch und Italienisch spricht der Halbitaliener auch ein bisschen Spanisch und Portugiesisch. Sein 5-monatiger Aufenthalt in China 1987 kam ihm dabei allerdings schon fast vor wie ein Albtraum, denn er konnte nichts lesen: keine Straßenschilder oder Namen von Läden zum Beispiel. Doch er kämpfte sich mit einer Art "Zeichensprache" durch. Die Chinesen haben eine ganz fremde Kultur, an die er sich erst gewöhnen musste. Die Einheimischen erschienen ihm eher reserviert und schwierig zu deuten. Sehr prägend empfand er die Reisen in Länder der Dritten Welt. Verstärkt nimmt er in Deutschland wahr, dass wir im Überfluss leben und zu viele Dinge als „normal“ empfinden. Die Menschen dort hätten wenig bis gar nichts und seien viel herzlicher als die Deutschen. Seiner Meinung nach ist unser Wohlstand daran schuld, dass die Menschen aus ihrem Heimatland flüchten. Durch Entwicklungshilfe in Afrika vor zwei Jahren versuchte Wolfgang herauszufinden, wie der Afrikaner „so tickt“. Dieser hat ganz andere Sichtweisen, denn er lebt nicht unbedingt weitsichtig und so „als gäbe es kein Morgen“. Doch es erwies sich am Ende als Europäer schwer, den Afrikaner richtig zu verstehen.

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Was er bisher an Erkenntnissen mitgenommen hat, prägt auch seinen persönlichen Lebensalltag. Er achtet auf einen nachhaltigen, schonenden Umgang mit der Natur, alle Strecken unter 30 km bewältigt er zu Fuß oder mit dem Fahrrad, er engagiert sich für die Partnerschaftsvereine im Ort und spendet die Erlöse seiner beliebten Reisevorträge sozialen Hilfsprojekten. Ihm ist wichtig, immer zu versuchen das Positive zu sehen, genügsamer zu sein und wertzuschätzen, dass wir im Überfluss leben und dabei die „einfachen“ Dinge nicht zu übersehen. Konflikte könne man auf ruhige Art im Dialog lösen. Reisen bilde und entwickle für ihn neue und andere Sichtweisen auf die Welt. Es helfe, sich auf andere(s) einzulassen. Des Öfteren wird er gefragt, in welchem der Länder es denn nun am schönsten war. „Überall und nirgendwo! Wenn ich reise, lebe ich erfüllter, intensiver und von innen heraus.“

 

 

 

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